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Im
wesentlichen setzt sich die Kultivierung der Pilze aus sieben Hauptschritten
zusammen, die jedoch alle zusammen äußerste Akribie und extreme
Sauberkeit im Arbeiten verlangen, da Speisepilze deshalb "Edelpilze" heißen,
weil sie nur selten vorkommen und leicht von anderen Mikroorganismen unterdrückbar
sind.
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Gewinnung
der Sporen durch einen Sporenabdruck, oder Ankauf eines solchen.
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Aufbringen
der Sporen auf ein Närmedium und Keimung der selben, die entstandenen
monokaryoten Mycelien verinigen sich garantiert zu einem dikaryoten
Mycel und sind weitervermehrbar.
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Dikaryote
Mycelstückchen werden durch Umsetzung (kleinschneiden und übertragen)
weitervermehrt. Hierzu wird eine sterilisierte Petrischale mit Nährboden
mit einem solchen Stückchen beimpft. Es ist, entgegen der Anleitung
in diversen Pilzzuchtbüchern nicht nötig das Mycel immer weiter
zu vereinzeln, da ja doch die Kultur überleben wird, der es beim
Züchter am besten gefällt.
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Größerer
Mycelstücke werden auf einen Närboden aus Roggensubstrat (also Roggen,
der mit Wasser zusammen sterilisiert wurde) übertragen und durchwuchern
diesen vollständig.
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Die
Roggensubstratkulturen des Mycels werden mit Erde abgedeckt oder
vermischt, es bilden sich alsbald Knoten auf der Oberfläche des
Mycels, von denen sich schließlich einige zu Pilzen entwickeln.
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Ernte
mit entsprechendem Erntedankfest ;-) (VORSICHT, die Rechtslage ist
hier sehr unsicher, da weiterhin die Interpretation eines gutbezahlten
Menschen für die Rechtmäßgkeit dieser Ernte maßgeblich
ist!)
Das alles hört
sich recht einfach an, ist es jedoch nicht. In allen Stadien der Kultivierung
können überall in der Luft anwesende Schimmelpilze und Bakterien die Kulturen
heimsuchen und die jeweilige Kultur unbrauchbar machen.
Für diejenigen,
die sich also zur Zucht von Champignons, Kulturträuschlingen, Austernseitlingen,
Schpoftintlingen oder anderen Edelpilzen entschlossen haben die wichtigsten
Hinweise hier noch mal im Einzelnen:
- Der Agar-Nährboden
muß sterilisiert worden sein, was am besten mithilfe eines Dampfdruckkochtopfes
(Schnellkochtopf) geschieht. Um Bakterien fern zu halten sollte noch
ein hitzebeständiges Antibiotikum hinzugefügt worden sein (beim Zubereiten).
Ein solches Antibiotikum ist Gentamycin (Breitbandantibiotikum, sowas
ist mit Vorsicht anzufassen!), welches sich auch in vielen Fertignährböden
und manchen Trockensubstraten befindet. Im Normalfalle wird gesagt,
15 min bei 120°C autoclavieren (also 15 min im unter Druck stehenden
kochenden Dampfdruckkochtopf stehen lassen).
- Alle Arbeiten
sind unter sterilen Bedingungen auszuführen, also am besten in einer
Plastikkiste (durchsichtig damit man sieht was man macht), deren Luft
mit einem Desinfektionsaerosol (Sprühdesinfektion) sterilisiert wurde.
Es sind Gummihandschuhe (desinfiziert) zu tragen, die Pertischälchen
sind nur so kurz wie möglich offen zu halten, die Arbeitsmatreialien
(Inokulationsöse, Skalpell, ...) sind mit einer Flamme -z.B. Spiritusflamme
oder nichtrußendes Gasfeuerzeug - vor jeder Arbeit zu desinfizieren
(man glüht die entsprechenden Geräte einfach aus und kühlt sie in einem
sterilen Medium wie z.B. einem zu beimpfenden Nährager ab), die Oberflächen
der Kiste bzw. der Tisch sind vor der Arbeit mit einem langwirkenden
Desinfektionsmittel zu desinfizieren.
- Auch das
Roggensubstrat ist auf diese Weise zu sterilisieren.
Da die Arbeitsmittel
nicht sehr leicht zu beschaffen sind hier noch einige Hinweise darauf:
- In jeder
größeren Stadt gibt es einen Laborbedarfs- und Chemikalienhandel,
solche Firmen lassen sich traditionell in der Nähe von Universitäten
und Krankenhäusern nieder. Dort bekommt man Petrischälchen (man rechne
mit 3 DM pro Stück +/- 70 Pf), Skalpelle, Inokulationsösen in verschiedenen
Größen, Närböden für die verschiedensten Mikroorganismen, Närboullions
für eben diese, Desinfektionsmittel (ein Desinfektionsmittel was auch
gegen Pilze, also Schimmel wirkt ist Meliseptol; vorsicht, das ist
auch für Menschen giftig!) und auch Gentamycin. Die letzten bieden
Sachen sind jedoch verdammt teuer, so muß man für eine Flasche
Gentamycin mit 10 ml Inhalt 250,- DM berechnen, es werden jedoch nur
ca. 2 ml auf einen Liter Närboden benötigt. Bei Verwendung solcher Fläschchen
muß man auch bedenken, daß eine Spritze mit Kanüle nötig
ist, um an den Inhalt heranzukommen. Gentamycin ist ansonsten Rezeptpflichtig,
also in der Apotheke nicht so einfach zu kaufen, auch wenn da der Preis
staffelbar ist (kleinere Menge). Was man in einem Labor- und Chemikalienfachhandel
gratis bekommt ist eine fachkundige Beratung, die man sich nicht entgehen
lassen sollte. Auch ein Blick in die Kataloge und Handbücher (z.B. Handbuch
zur Mikrobiologie auf den Laborbedarf bezogen) sollte riskiert werden,
man glaubt nicht, was man da noch alles lernen kann.
- Agar,
Malzextrakt, Kartoffelstärke (das bleibt bei längerem Kochen der Kartoffeln
übrig) und andere Närmedien kann man in einem Naturkostladen, nötigenfalls
im Refornmhaus kaufen. Im Laborfachhandel ist außer dem Ager alles
überteuert was man so auch "draußen" kaufen kann. Agar-Agar, also
das Gelatinezeuch kostet da ca. 130,- DM das Kilo, kann aber im Naturkostladen
ab 5,- auf 100g zu finden sein (geringere Qualität, was jedoch hier
nicht unbedingt ins Gewicht fällt). Für einen Liter, also für ca. 40
bis 80 Pertischälchen (8cm) braucht man grad mal 30 g.
- Wenn möglich
sollte man ein fertiges und vermehrungsfähiges Mycel kaufen und dieses
weitervermehren, dadurch entfällt der risikoreiche und meißt frustrierende
Teil der Sporenkeimung. Solche Mycelien sind in einigen Haedshops und
auf jeden Fall in Amsterdam ("Magic Mushroom") erhältlich. Der Besitz
und die Zucht des Mycels eines psilocybinhaltigen Pilzes verstoßen
nur dann nicht gegen das BtMG, wenn eine solche Zucht nicht zum Mißbrauch
der Pilzbestandteile als Betäubungsmittel verwendet werden soll.
- Das
Buch "Zauberpilze"
von Ronald Rippchen bietet eine umfassende Anleitung für eine, in den
Erfolgsaussichten gesteigerte, Zucht von Speise- und Edelpilzen.
Sollte sich
ein Pilzfreund entschlossen haben auf größeren Beeten zu wirtschaften,
so wird dies im Normalfalle im Freiland oder einem Pilzkeller geschehen.
Dabei ist zu beachten, daß die Ernte in Wellen stattfindet, also
die Pilze pro Beet nahezu gleichzeitig auftreten werden. Werden die Beete
dann abgeerntet, so sehen sie recht leer aus, was sich jedoch schnell
wieder ändern sollte, da bald schon neue Fruchtkörper ausgebildet werden.
Je nach Nährstoffgehalt der Substrate sind die entstehenden Fruchtkörper
verschieden groß. Bei abnehmendem Nährstoffgehalt sollte zunächst
eine Verstärkung der Fruchtungsneigung auftreten, bis dann eine Stagnation
auftritt, die sich aus einem Mangel an Nährstoffen begründet. In letzterem
Falle sollte der Nährboden ausgetauscht werden, das Mycel kann zur Weitervermehrung
jedoch beibehalten werden.
Schädlinge
Schauen wir
uns jedoch mal einzelne Schädlinge des Speisepilzes in Monokultur an.
Als erste, wenn auch nicht wichtigste, sind tierische Schädlinge zu nennen.
Größere Tiere wie Mäuse und Schnecken können das Beet befallen und
sowohl den Närboden als auch die Pilze selbst zerstöhren. Milben befallen
die Pilzkulturen und können diese bis zur Unbrauchbarkeit hemmen. Springschwänze
sind ebenfalls sehr agiel, treten jedoch nur in der Wärme auf. Die häufigsten
Schädlinge sind jedoch Fliegen und Mückenarten bzw. deren Larven. Diese
Art von Schädling ist für den Gelegenheitsbauern die unangenehmste Version,
da sich diese Tiere rasend schnell vermehren und so eine liebgewonnene
Kultur einfach mal ins Nulldevice verschwinden lassen können. Die einzige
Mölichkeit der Bekämpfung solcher Schädlinge ist leider wirklich die Vernichting
der Kultur. Die weitaus gefährlichsten tierischen Schädlinge in Pilzkulturen
sind jedoch die nur unter dem Mikroskop eindeutig sichtbaren ählchen.
Sie befallen das Mycel und zerstören es, wobei selbst ein geringer Befall
das Mycel unbrauchbar machen kann. Gegen solche Schädlinge kann man auf
natürlichem Wege nur wenig machen, am besten man läßt sich in einem
Gartenfachbetrieb zur Bekämpfung beraten. Auch Kräuterbücher können schon
eine Hilfe sein.
Die zweite Art von Schädlingen auf Pilzen sind andere Pilze, Bakterien
und Viren.
Gegen diese kann man sich nur duch eine ausreichende Desinfektion des
Nährbodens schützen. Wenn der Anbau im Freien stattfindet, so sollte das
vorgezogene Substrat in ebenfalls sterilisierten Nährmedien gezogen worden
sein. Es ist dann darauf zu achten, daß sich das vorgezogene Substrat
möglichst schnell im Beet vermehrt, so daß konkurrierende Pilze
zeitlich nicht die Möglichkeit haben sich auszbreiten. Wenn möglich sollte
das zur Vorzucht verwendete Medium mit Antibiotika versetzt sein, so das
auch Bakterien ausgeschlossen werden können.
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