Kultivierung

 


Im wesentlichen setzt sich die Kultivierung der Pilze aus sieben Hauptschritten zusammen, die jedoch alle zusammen äußerste Akribie und extreme Sauberkeit im Arbeiten verlangen, da Speisepilze deshalb "Edelpilze" heißen, weil sie nur selten vorkommen und leicht von anderen Mikroorganismen unterdrückbar sind.

    1. Gewinnung der Sporen durch einen Sporenabdruck, oder Ankauf eines solchen.
    2. Aufbringen der Sporen auf ein Närmedium und Keimung der selben, die entstandenen monokaryoten Mycelien verinigen sich garantiert zu einem dikaryoten Mycel und sind weitervermehrbar.
    3. Dikaryote Mycelstückchen werden durch Umsetzung (kleinschneiden und übertragen) weitervermehrt. Hierzu wird eine sterilisierte Petrischale mit Nährboden mit einem solchen Stückchen beimpft. Es ist, entgegen der Anleitung in diversen Pilzzuchtbüchern nicht nötig das Mycel immer weiter zu vereinzeln, da ja doch die Kultur überleben wird, der es beim Züchter am besten gefällt.
    4. Größerer Mycelstücke werden auf einen Närboden aus Roggensubstrat (also Roggen, der mit Wasser zusammen sterilisiert wurde) übertragen und durchwuchern diesen vollständig.
    5. Die Roggensubstratkulturen des Mycels werden mit Erde abgedeckt oder vermischt, es bilden sich alsbald Knoten auf der Oberfläche des Mycels, von denen sich schließlich einige zu Pilzen entwickeln.
    6. Ernte mit entsprechendem Erntedankfest ;-) (VORSICHT, die Rechtslage ist hier sehr unsicher, da weiterhin die Interpretation eines gutbezahlten Menschen für die Rechtmäßgkeit dieser Ernte maßgeblich ist!)

Das alles hört sich recht einfach an, ist es jedoch nicht. In allen Stadien der Kultivierung können überall in der Luft anwesende Schimmelpilze und Bakterien die Kulturen heimsuchen und die jeweilige Kultur unbrauchbar machen.

Für diejenigen, die sich also zur Zucht von Champignons, Kulturträuschlingen, Austernseitlingen, Schpoftintlingen oder anderen Edelpilzen entschlossen haben die wichtigsten Hinweise hier noch mal im Einzelnen:

  • Der Agar-Nährboden muß sterilisiert worden sein, was am besten mithilfe eines Dampfdruckkochtopfes (Schnellkochtopf) geschieht. Um Bakterien fern zu halten sollte noch ein hitzebeständiges Antibiotikum hinzugefügt worden sein (beim Zubereiten). Ein solches Antibiotikum ist Gentamycin (Breitbandantibiotikum, sowas ist mit Vorsicht anzufassen!), welches sich auch in vielen Fertignährböden und manchen Trockensubstraten befindet. Im Normalfalle wird gesagt, 15 min bei 120°C autoclavieren (also 15 min im unter Druck stehenden kochenden Dampfdruckkochtopf stehen lassen).
  • Alle Arbeiten sind unter sterilen Bedingungen auszuführen, also am besten in einer Plastikkiste (durchsichtig damit man sieht was man macht), deren Luft mit einem Desinfektionsaerosol (Sprühdesinfektion) sterilisiert wurde. Es sind Gummihandschuhe (desinfiziert) zu tragen, die Pertischälchen sind nur so kurz wie möglich offen zu halten, die Arbeitsmatreialien (Inokulationsöse, Skalpell, ...) sind mit einer Flamme -z.B. Spiritusflamme oder nichtrußendes Gasfeuerzeug - vor jeder Arbeit zu desinfizieren (man glüht die entsprechenden Geräte einfach aus und kühlt sie in einem sterilen Medium wie z.B. einem zu beimpfenden Nährager ab), die Oberflächen der Kiste bzw. der Tisch sind vor der Arbeit mit einem langwirkenden Desinfektionsmittel zu desinfizieren.
  • Auch das Roggensubstrat ist auf diese Weise zu sterilisieren.

Da die Arbeitsmittel nicht sehr leicht zu beschaffen sind hier noch einige Hinweise darauf:

  • In jeder größeren Stadt gibt es einen Laborbedarfs- und Chemikalienhandel, solche Firmen lassen sich traditionell in der Nähe von Universitäten und Krankenhäusern nieder. Dort bekommt man Petrischälchen (man rechne mit 3 DM pro Stück +/- 70 Pf), Skalpelle, Inokulationsösen in verschiedenen Größen, Närböden für die verschiedensten Mikroorganismen, Närboullions für eben diese, Desinfektionsmittel (ein Desinfektionsmittel was auch gegen Pilze, also Schimmel wirkt ist Meliseptol; vorsicht, das ist auch für Menschen giftig!) und auch Gentamycin. Die letzten bieden Sachen sind jedoch verdammt teuer, so muß man für eine Flasche Gentamycin mit 10 ml Inhalt 250,- DM berechnen, es werden jedoch nur ca. 2 ml auf einen Liter Närboden benötigt. Bei Verwendung solcher Fläschchen muß man auch bedenken, daß eine Spritze mit Kanüle nötig ist, um an den Inhalt heranzukommen. Gentamycin ist ansonsten Rezeptpflichtig, also in der Apotheke nicht so einfach zu kaufen, auch wenn da der Preis staffelbar ist (kleinere Menge). Was man in einem Labor- und Chemikalienfachhandel gratis bekommt ist eine fachkundige Beratung, die man sich nicht entgehen lassen sollte. Auch ein Blick in die Kataloge und Handbücher (z.B. Handbuch zur Mikrobiologie auf den Laborbedarf bezogen) sollte riskiert werden, man glaubt nicht, was man da noch alles lernen kann.
  • Agar, Malzextrakt, Kartoffelstärke (das bleibt bei längerem Kochen der Kartoffeln übrig) und andere Närmedien kann man in einem Naturkostladen, nötigenfalls im Refornmhaus kaufen. Im Laborfachhandel ist außer dem Ager alles überteuert was man so auch "draußen" kaufen kann. Agar-Agar, also das Gelatinezeuch kostet da ca. 130,- DM das Kilo, kann aber im Naturkostladen ab 5,- auf 100g zu finden sein (geringere Qualität, was jedoch hier nicht unbedingt ins Gewicht fällt). Für einen Liter, also für ca. 40 bis 80 Pertischälchen (8cm) braucht man grad mal 30 g.
  • Wenn möglich sollte man ein fertiges und vermehrungsfähiges Mycel kaufen und dieses weitervermehren, dadurch entfällt der risikoreiche und meißt frustrierende Teil der Sporenkeimung. Solche Mycelien sind in einigen Haedshops und auf jeden Fall in Amsterdam ("Magic Mushroom") erhältlich. Der Besitz und die Zucht des Mycels eines psilocybinhaltigen Pilzes verstoßen nur dann nicht gegen das BtMG, wenn eine solche Zucht nicht zum Mißbrauch der Pilzbestandteile als Betäubungsmittel verwendet werden soll.
  • Das Buch "Zauberpilze" von Ronald Rippchen bietet eine umfassende Anleitung für eine, in den Erfolgsaussichten gesteigerte, Zucht von Speise- und Edelpilzen.

Sollte sich ein Pilzfreund entschlossen haben auf größeren Beeten zu wirtschaften, so wird dies im Normalfalle im Freiland oder einem Pilzkeller geschehen. Dabei ist zu beachten, daß die Ernte in Wellen stattfindet, also die Pilze pro Beet nahezu gleichzeitig auftreten werden. Werden die Beete dann abgeerntet, so sehen sie recht leer aus, was sich jedoch schnell wieder ändern sollte, da bald schon neue Fruchtkörper ausgebildet werden. Je nach Nährstoffgehalt der Substrate sind die entstehenden Fruchtkörper verschieden groß. Bei abnehmendem Nährstoffgehalt sollte zunächst eine Verstärkung der Fruchtungsneigung auftreten, bis dann eine Stagnation auftritt, die sich aus einem Mangel an Nährstoffen begründet. In letzterem Falle sollte der Nährboden ausgetauscht werden, das Mycel kann zur Weitervermehrung jedoch beibehalten werden.

Schädlinge

Schauen wir uns jedoch mal einzelne Schädlinge des Speisepilzes in Monokultur an.
Als erste, wenn auch nicht wichtigste, sind tierische Schädlinge zu nennen. Größere Tiere wie Mäuse und Schnecken können das Beet befallen und sowohl den Närboden als auch die Pilze selbst zerstöhren. Milben befallen die Pilzkulturen und können diese bis zur Unbrauchbarkeit hemmen. Springschwänze sind ebenfalls sehr agiel, treten jedoch nur in der Wärme auf. Die häufigsten Schädlinge sind jedoch Fliegen und Mückenarten bzw. deren Larven. Diese Art von Schädling ist für den Gelegenheitsbauern die unangenehmste Version, da sich diese Tiere rasend schnell vermehren und so eine liebgewonnene Kultur einfach mal ins Nulldevice verschwinden lassen können. Die einzige Mölichkeit der Bekämpfung solcher Schädlinge ist leider wirklich die Vernichting der Kultur. Die weitaus gefährlichsten tierischen Schädlinge in Pilzkulturen sind jedoch die nur unter dem Mikroskop eindeutig sichtbaren ählchen. Sie befallen das Mycel und zerstören es, wobei selbst ein geringer Befall das Mycel unbrauchbar machen kann. Gegen solche Schädlinge kann man auf natürlichem Wege nur wenig machen, am besten man läßt sich in einem Gartenfachbetrieb zur Bekämpfung beraten. Auch Kräuterbücher können schon eine Hilfe sein.
Die zweite Art von Schädlingen auf Pilzen sind andere Pilze, Bakterien und Viren.
Gegen diese kann man sich nur duch eine ausreichende Desinfektion des Nährbodens schützen. Wenn der Anbau im Freien stattfindet, so sollte das vorgezogene Substrat in ebenfalls sterilisierten Nährmedien gezogen worden sein. Es ist dann darauf zu achten, daß sich das vorgezogene Substrat möglichst schnell im Beet vermehrt, so daß konkurrierende Pilze zeitlich nicht die Möglichkeit haben sich auszbreiten. Wenn möglich sollte das zur Vorzucht verwendete Medium mit Antibiotika versetzt sein, so das auch Bakterien ausgeschlossen werden können.

 


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