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Pilze
zum Träumen
Zauberpilz: «Magic mushrooms» sind in aller
Munde. Mit seinem neusten Roman trägt Martin Suter seinen Teil dazu
bei.
CHRISTIAN
DEGEN
Am
liebsten liege ich in meinem Zimmer auf dem Bett und gebe mich im
Dunkeln meinen Träumen hin», beschreibt René, 28, Mitarbeiter in einem
Basler Pilzladen sein Verhalten nach dem Konsum von «magic mushrooms».
«Der ist jedesmal verschieden. Er ist ein Spiegelbild der
Seele.»
Waren bislang die Pilze als Rauschmittel vor allem bei Alt-Hippies
beliebt, versuchen heute oft auch jüngere Kunden «magic mushrooms».
Entsprechend mehr Umsatz machen die auf Pilze spezialisierten Läden
in Zürich, Olten, St. Gallen und Basel. «Auch viele Hanfläden haben
Pilze in ihr Sortiment aufgenommen», relativiert René ihren Erfolg.
Er schätzt den wöchentlichen Pilzverkauf in der Schweiz auf 25 Kilo.
Diesen Pilz-Trend hat auch der sonst eher biedere Aargauer AT-Verlag
erkannt. Neben den bisherigen konventionellen Sparten führt er Bücher
über «psychoaktive Pflanzen». Diese machen laut Verlagsleiter Urs
Hunziker heute bis zu 25 Prozent des Umsatzes aus: «Jedes Jahr geben
wir sechs bis acht neue Titel heraus.» Moralische Bedenken hat er
nicht: «Seriöse Aufklärung ist die beste Prävention. Wir arbeiten
nur mit anerkannten Fachleuten zusammen.»
Eigentliche Pionierarbeit leistete der Solothurner Nachtschatten-Verlag:
Er ist schon seit 1984 auf Literatur zu diesem Thema spezialisiert.
Gründer Roger Liggenstorfer: «Auslöser dafür waren persönliche Erfahrungen.
Die Behörden beschlagnahmten bei mir Bücher über die Kultivierung
von Hanfpflanzen. Zuvor hatte ich als Marktfahrer den Umgang der Menschen
mit Drogen aus nächster Nähe miterlebt. Ich wollte deshalb etwas zur
besseren Informationslage über Drogen tun. Die Pilze nehmen dabei
eine Sonderstellung ein.»
Die spezielle Erfahrung eines Pilzrituals macht auch der Wirtschaftsanwalt
Urs Blank, die Hauptfigur in Martin Suters neuem Buch «Die dunkle
Seite des Mondes». Der Autor war sich nicht bewusst, dass er damit
einen Trend mitträgt. Er suchte bloss ein dramaturgisches Element,
damit sein Protagonist die Hochglanzwelt verlassen muss. «Ich habe
auch an falsch dosierte Medikamente gedacht, aber Pilze sind naturverbundener
und passen deshalb besser in die Geschichte.»
Realistisch beschreibt Martin Suter die Wirkung der Zauberpilze, wenn
er von Lachanfällen und Gleichgewichts- störungen erzählt. Der im
Buch dargestellte ewige Trip ist dann aber doch eher literarische
Fiktion.
Fachstellen wie die Informationszentrale für Vergiftungen der Universität
Bonn beschreiben die Wirkung von Pilzen ähnlich der von LSD: «Optische
und akustische Wahrnehmungen werden intensiviert, zum Teil verzerrt.»
Euphorie, Angstzustände und Halluzinationen können die Sinne sechs
bis acht Stunden zum Narren halten. Darin sieht Christoph Stamm von
der Sektion Kontrolle und Bewilligungen des Bundesamtes für Gesundheit
(BAG) auch das Hauptrisiko: «Gefährlich sind Panikattacken mit unkontrollierten
Verhaltensweisen, die zu Unfällen führen können.» Ein besonderes Gefahrenpotential
birgt die bewusstseinserweiternde Wirkung der Pilze. Monika Giurgius,
Oberärztin am Schweizerischen Toxikologischen Institut: «Ist ein Mensch
entspre- chend veranlagt, kann der Pilzkonsum zum Beispiel Schizophrenien
auslösen.»
Dennoch darf die Gefahr des Pilzgenusses nicht überschätzt werden:
Die Pilze, die von erfahrenen Konsumenten empfohlen werden, sind in
kleinen Mengen nicht gesundheitsschädigend. Die Dosis, die zu tödlichen
Vergiftungen führt, liegt bei drei bis vier Kilos. Roger Liggenstorfer:
«Vorher stirbt man an Völlerei.»
Nicht zu verwechseln sind die Pilze mit giftigen Pflanzen wie der
Engelstrompete, die schon in sehr geringen Mengen tödlich sein kann.
Die rechtliche Situation zum Konsum und Handel von Pilzen ist zur
Zeit noch sehr verworren. Im Betäubungsmittelgesetz sind zwar die
Wirkstoffe Psilocybin und Psilozin aufgeführt, aber nicht der Pilz
selbst. Die geplante Revision des Betäubungsmittelgesetzes soll auch
hier Klarheit schaffen. Christian Stamm vom BAG: «Im Moment sind wir
am Abwägen, ob die Zauberpilze darin aufgenommen werden sollen. Die
Tendenz zur Liberalisierung spricht jedoch eher dagegen.»
«Angstzuständeund
Panikattacken»
GEFAHREN:
Oberärztin
Monika Giurgius warnt vor dem Genuss von Zauberpilzen.
Coopzeitung:
So genannte Zauberpilze sind im Kommen. Haben Sie damit in
Ihrer Praxis zu tun?
Monika Giurgius: Ja, wir bekommen immer mehr Anrufe von Menschen,
die sich über Gefahren und Wirkung der Pilze informieren wollen.
Sind diese Pilze gefährlich?
Das ist je nach Art verschieden. Gefährlich ist in jedem Fall,
dass nach dem Konsum Angstzustände und Panikattacken auftreten können.
Dabei besteht die Gefahr, dass man verunglückt oder sich verletzt.
Sind solche Fälle bekannt?
Ja. Bekannt ist beispielswei-se ein Sturz aus grosser Höhe. Die
Folge davon war, dass der Verunglückte jetzt querschnittgelähmt ist.
Bei Menschen zum Beispiel, die die Veranlagung zu einer physischen
oder psychischen Krankheit haben, kann es dazu führen, dass diese
früher ausbricht.
Kann der wiederholte Konsum dieser Pilze süchtig machen?
Eine ausgeprägte körperliche Abhängigkeit ist eher unwahrscheinlich.
Aber eine gewisse psychische Abhängigkeit ist sicher nicht auszuschliessen.
Deshalb rate ich vom Konsum der Pilze ab.
Wenn jemand solche Pilze trotzdem konsumieren will - worauf
soll er in jedem Fall achten?
Wenn jemand unbedingt will, so soll er darauf achten, dass es
in einem ruhigen, entspannten Rahmen geschieht, in dem er nur wenigen
äusseren Reizen ausgesetzt ist. Am besten tut er es auch nicht allein.
Man muss zudem wissen, dass Pilz nicht gleich Pilz ist.
Er ist ein Naturprodukt, bei dem die Konzentration der Wirkstoffe
unterschiedlich hoch sein kann!
Interview: Christian Degen
*Monika Giurgius ist Oberärztin am Schweizerischen Toxikologischen
Informationszentrum in Zürich.
INFOS
*Schweizerisches Toxikologisches Informationszentrum, Freiestrasse
16, Postfach, 8028 Zürich, Tel. 01/251 66 66, Notrufe: 01/251 51 51
E-Mail: info@toxi.ch,
www.toxi.ch
*Schweizerische Fachstelle für Alkohol- und andere Drogenprobleme
(SFA), Avenue Rouchonnet 14, 1001 Lausanne, Tel. 021/321 29 67, Fax:
021/321 29 40
www.sfa-ispa.ch
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