Baslerstab vom 30.10.2000
Nummer 243, Seite 3
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Basel

«Natürliche» Drogen

Im Rausch der Pilze

Die Risiken von Bio-Drogen werden oft bagatellisiert. Doch die Fachleute warnen.

«Psyloween» hiess die Party im Gundeli, bei der am vergangenen Samstag die Pilzchen tanzten - oder tanzen liessen. Goa-Klänge und Mushroom-Apéro standen auf dem Programm.

Champignons? Nein, die gehören höchstens auf die Pizza. Zur Party brauchts Pilze, bei denen man «breit wird», die einen «weghauen». «Psilocybe semilanceata» zum Beispiel. Alt-Hippies kriegen das breite Grinsen, wenn sie sich an die spitzkegligen Kahlköpfe erinnern. Vor Jahren haben sie ihren Sonntagsausflug jeweils mit Psilocybe-Sammeln verbracht, sind zu Hunderten durch die Wälder des Juras gestolpert.

Freaks gehen immer noch auf Sammeltour, obwohl sie es heute auch einfacher haben können: Im Internet nachlesen, was es da an «Bio-Drogen» so gibt und dort, oder im Hanfladen, shoppen gehen.

Nur zum Züchten

An der Street Parade seien die berauschenden Pilzchen gleich containerweise konsumiert worden, erzählt der Besitzer eines Basler Hanfladens. Mexikanische oder hawaiianische Pilze hätte auch er, aber: «Ich verkaufe sie nur zum Züchten. Alles andere wäre ja illegal. Wer nach Pilzen zum Essen fragt, den schicke ich weg.»

Auf dem Säckchen steht denn auch: «Zur Sporengewinnung für ethnobotanisches Anschauungsmaterial». Wers glaubt.

Wers nimmt, wird selig. Glücklich. Findet eine Kaffeetasse das Gewaltigste auf dieser wunderbaren Erde und lacht stundenlang. So wie Eva (25). Sie probierte die Pilzchen kürzlich aus. «Ich würde es aber nie mehr machen. Vor allem ist es gefährlich für labile Menschen.»

Wirklich harmlos?

Im Hanfladen gibt es zwar Literatur über Zauberpilze und Bio-Drogen, aber vor Risiken beim Konsum habe man sie nicht gewarnt, sagt Eva.

«Natürlich nicht», heisst es dort. «Weil wir sie ja nicht zum Konsum verkaufen.» Der Verkäufer bleibt dabei. Muss er auch, um sich nicht strafbar zu machen, da unbefugter Besitz und Verkauf von Substanzen wie Psilocybin in der Schweiz nicht erlaubt ist.

Nur: Was ist wirklich gefährlich? Der Konsum, oder dass man nicht offen darüber reden und informieren kann? «Wenn man weiss, dass Leute Drogen konsumieren, sollten sie auch hinreichend über Risiken informiert werden», findet Thomas Stutzer, Beauftragter für Suchtprävention im Justizdepartement.

Stechapfel, Engelstrompeten, Fliegenpilz, Petersilie, Muskatnuss: Die Liste der sogenannten alternativen Drogen ist lang. «Diese natürlichen Drogen sind nicht so schlimm wie die chemischen», glauben viele. Zu Recht? So pauschal könne man das nicht sagen, heisst es in der Psychiatrischen Universitätsklinik Basel. Harmlose Pilze würden nicht viel machen. Aber es könne zu Komplikationen kommen, die sogar zum Tod führten. Gefährlich wird es, wenn gemixt oder mit Alkohol kombiniert wird.

«Egal, ob Bio oder anderes», meint Adrian Bösch, Leiter der Drogenberatungsstelle Drop-In. «Wer mit Drogen experimentiert, um sich Erleichterung zu verschaffen, bei dem besteht das Risiko, dass er auch härtere Substanzen probiert.»

Regula Wenger

Magic Mushroom - Pilz mit halluzinogener Wirkung. Foto: key.

 

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