Basler Zeitung vom 25.11.1997
Nummer 275, Seite 38
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Gemeinden

Wenn Doktor Hofmann ruft, kommen alle

Burg. afr. «Dr. Hofmann ruft, alle kommen», stellt ein Mann am Stammtisch fest. Und tatsächlich herrscht im Restaurant Ackermann in Burg schon um zwanzig vor acht Uhr Hochbetrieb. Der Burger Verein «zum Alfred» hat zu einem kleinen Vortrag geladen. Der Referent: Albert Hofmann, Vater der Kultdroge LSD und mit 92 Jahren zugleich ältester Einwohner Burgs. 80 Personen befinden sich in der Gaststube, über ein Drittel der Einwohnerschaft und «mehr als die Stimmbeteiligung», wie einer in der Runde bemerkt. In Burg ist man stolz auf den prominenten Einwohner, und jeder weiss etwas über ihn zu berichten.

Eine interessante Gemeinschaft hat sich da in der Dorfbeiz zusammengefunden. Neben Stammtischlern sitzen Künstler, ältere Frauen, und man hört ein Stimmengewirr aus Baseldeutsch, Elsässisch und Französisch. Pünktlich betreten Hofmann und seine Frau den Raum. Beide werden von allen Seiten begrüsst, bestaunt. Tatsächlich würde man dem gutaussehenden, drahtigen älteren Herrn mit dem schlohweissen Haar, dem dunklen Anzug und dem bestimmten Auftreten nie 90 Jahre geben.

Der Projektor beginnt zu surren, und auf der Leinwand erscheint ein Getreidefeld. «Man nennt mich den Vater des LSD, doch wer ist die Mutter?» beginnt der Wissenschafter seinen Vortrag. Und während der folgenden Stunde zieht Hofmann seine Zuhörer vollkommen in seinen Bann. Mit fast unheimlicher Energie und Vitalität erzählt er von der «Mutter» des LSD, dem Mutterkorn, ein Getreidepilz, der im Mittelalter einerseits Ursache für Epidemien war, andererseits aber von Hebammen als Geburtshelfer benutzt wurde. Als junger Wissenschafter bei Sandoz gelang es ihm, diesen «Geburtshelferstoff» des Pilzes zu isolieren und künstlich herzustellen. Grundkomponente des Stoffes ist die Lysergsäure, die in Verbindung mit bestimmten Basen das Bewusstsein verändern kann. Durch Zufall entdeckte Hofmann 1938 das LSD, das Lysergsäurediethylamid. Er bekam nämlich mitten in seiner Forschungsarbeit einen Rausch. Diese Entdeckung hat sein Leben bestimmt, führte ihn zu indianischen Schamaninnen und machte ihn international bekannt. Ein Schicksalsschlag war jedoch, dass das Halluzinogen «auf die Strasse kam», als Droge missbraucht wurde.

 

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