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© DER STANDARD, 1. September 1999
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"Magic mushrooms" am Altar

Psychoaktive Pilze: Als Dünger erlaubt, als Droge verboten STANDARD-Mitarbeiterin Tanja Paar Wien - "Meditation ist wie Essen. Der Pilz ein Festmahl", betont Andreas Baumgartner die meditative Komponente der Einnahme von "magicmushrooms". Seit zweieinhalb Jahren betreibt er in der Mariahilferstraße 117 ein Geschäft für psychoaktive Pflanzen, seit sieben Monaten verkauft er auch sogenannte "Pilzboxen". 750,- Schilling (55 EURO) kostet eine kleine Tupperwareschachtel mit der sorgsam in Stroh- und Pferdemist gebetteten Mycelkultur, aus der nach zwei Wochen die Zauberpilze wachsen. Der Zauber der "stropharia cubensis" ist auf ihre Inhaltsstoffe Psilocin und Psilocybin zurückzuführen. Beide finden sich auf der Liste verbotener Substanzen im österreichischen Suchtmittelgesetz. Ausschließlich zu "ethnobotanischen Anschauungszwecken" verkaufe er die Pilzkulturen, versichert demgemäß Baumgartner. Die Pilze eigneten sich vorzüglich zur Düngung von Zimmerplanzen. Manche Anhänger schamanistischer Praktiken legten sie auch auf ihre Altäre . Dass die Verwendung der Pilze als Drogen verboten sei, darauf weise er natürlich alle Käufer hin. In Holland und der Schweiz allerdings, wo die "magic mushrooms" nicht verboten sind, könne man folgende Erfahrungen machen: Nach zumindest einem Tag des Fastens trifft man sich alle zwei bis drei Monate zum Pilzritual. Rund drei bis vier Gramm getrockneter Pilze werden pro Person verzehrt. "Wie ein Astronaut vor dem Abflug", habe er sich gefühlt,so Baumgartner. "Einem Vibrieren folgt eine Art Beschleunigung, dann siehst Du Kristallstädte, hörst Musik. Der Pilz belohnt Dich,wenn Du Vorarbeit geleistet hast. Deine innere Stimme feiert Geburtstag." Im Gegensatz zu chemischen Drogen sei der Pilz keine "Partydroge". Seine Verwendung zur "Belustigung" lehnt Baumgartner ab. "Teil des Rituals ist auch eine Nachbesprechung, die therapeutischen Charakter hat. Der Pilz ist ein Lehrmeister und Willensstärker, der Dir den Schub gibt, selbst etwas zu machen." Baumgartners Aufzählung aller weiterer Vorzüge der "narrischen Schwammerln" - keine Vergiftungsgefahr, keine Beschaffungskriminalität, kein Suchtverhalten - will Wiens Drogenkoordinator Peter Hacker relativiert wissen: "Faktum ist, dass der Pilz hochgiftige Substanzen enthält. Nur die wenigsten halten sich an Rituale. Und die Dosis macht das Gift."

 

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