| Ärzte Zeitung, 26. Mai 2000 - SUCHT & DROGEN |
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| Patient hat nach Pilz-Konsum Zeichen einer zerebralen Demyelinisierung entwickelt Einmal blind und einmal taub nach Verzehr von "magic mushrooms" Mannheim (bib). Daß der Verzehr von Psilocybe-Pilzen oder "magic mushrooms" einem mehr bescheren kann als die meist gewünschte halluzinogene Wirkung, ist bekannt. Beschrieben sind Nierenversagen, Arrhythmien und Herzinfarkte. Ärzte der Universitätsklinik Mannheim haben jetzt von einem jungen Mann berichtet, der zweimal nach Genuß von Psilocybe-Pilzen Zeichen einer subakuten multifokalen zerebralen Demyelinisierung entwickelt hat. Das erste Mal veranlaßten eine Lähmung des linken Beins und ein beidseitiger Sehverlust den 33jährigen, in die Klinik zu kommen, berichten Dr. Konstantinos Spengos und seine Kollegen. Zwei Wochen zuvor hatte der Patient erstmals Psilocybe-Pilze gegessen (J Neurol 247, 2000, 224). Beim Spiegeln des Augenhintergrunds stellten die Ärzte eine subakute Papillitis fest, visuell evozierte Potentiale fehlten. Auf Kernspin-Aufnahmen war parietal in der rechten Hirnhemisphäre eine herdförmige Demyelinisierung erkennbar, die Balken und beide Sehnerven mit einbezog. Die Lumbalpunktion ergab Hinweise auf eine Störung der Blut-Hirn-Schranke, aber weder Hinweise auf eine Infektion, noch oligoklonale Banden oder Zeichen einer zerebralen Eiweißproduktion, wie sie bei Multipler Sklerose vorkommen. Durch eine hochdosierte Steroidtherapie verschwanden die Symptome rasch. Zwei Jahre später, im September 1998, aß der Mann wieder halluzinogene Pilze. Zwei Wochen darauf hatte er erneut neurologische Ausfallerscheinungen - diesmal Gangunsicherheit und Taubheit des linken Ohres - mit einem neuen Demyelinisierungsherd in Hirnstamm und linkem Kleinhirnstiel. Wie bei der ersten Episode wurden Infektion und Vaskulitis ausgeschlossen, und im Liquor konnten keine oligoklonalen Banden nachgewiesen werden. Wieder taten Steroide ihre Wirkung. Trotz des unklaren Pathomechanismus führen die Mediziner die Ausfallerscheinungen auf den Pilzgenuß zurück: wegen des zeitlichen Zusammenhangs, dem wiederholten Auftreten und fehlender Episoden in der Zeit ohne Pilzverzehr. Ganz auszuschließen sei eine Multiple Sklerose
jedoch nicht, auch wenn typische periventrikuläre Läsionen und
oligoklonalen Banden fehlten, räumen die Mannheimer Ärzte ein.
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