Kieler Nachrichten vom 9. November 2000
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Pilzrausch kann sich zum Horrortrip entwickeln

Vor allem bei Jüngeren in der Szene beliebt: der Spitzkegelige Kahlkopf
Die Droge dröhnt wie LSD, hinterlässt bei Konsumenten kaum verräterische Spuren und wächst auf fast jeder Kuhweide. Kein Wunder das besonders die Jüngeren in der Szene scharf sind auf den Spitzkegeligen Kahlkopf. Der unscheinbare, vielleicht fingerhutgroße Pilz wird Diskobesuchern vergleichsweise billig angeboten oder einfach selber geerntet. Offenbar immer öfter auch am Straßenrand von Kiel, wie Anwohner berichten. Dass die Modedroge schwere körperliche und bleibende psychische Schäden bewirken kann, wird dabei ignoriert.

„Es sind meist nette junge Leute, die nicht so aussehen, als kämen sie aus der Drogenszene“, beschreibt eine Frau die Pilzsammler der neuen Generation. Auf den Weiden, die an ihren Garten angrenzen, beobachtet sie immer wieder Jugendliche, die nicht nach schmackhaften Speisepilzen greifen, sondern nur die kleinen Gewächse herauspicken. Ihren Verdacht, dass hier nicht die nahrhafte, sondern die berauschende Wirkung im Mittelpunkt steht, hat die Frau schon mehrfach bestätigt bekommen. „Viele geben es zu und verharmlosen die Sache“, berichtet die Zeugin. Pilze seien ja nur saisonale Drogen und zudem völlig natürliche Produkte, lautet die beliebtesten Rechtfertigungen. Manchmal wird aber auch einfach behauptet, man sammle Anschauungsmaterial für den Biologieunterricht.
Die größte Gefahr ist die Dosierung. Der Wirkstoff Psilocybin, der verantwortlich für die berauschende Wirkung des Spitzkegeligen Kahlkopfes ist, kann je nach Temperatur oder Luftfeuchtigkeit an seinem Standort ganz schwach oder auch absolut überdosiert in einem Pilz enthalten sein. Im harmlosesten Fall spürt der Konsument also gar nichts, im schlimmsten Fall entwickelt sich die anfangs noch stimulierende Halluzinationen zu alptraumhaften Wahnbildern, die vier bis sechs Stunden anhalten und nicht abgebrochen werden können. „Psilocybin führt zu einer körperlichen Abhängigkeit, womöglich aber in dauerhafte psychiatrische Behandlung“ warnt die Fachfrau. Nicht ohne sind außerdem die körperlichen Begleiterscheinungen, die bis zum totalen Kreislaufkollaps führen können. „Finger weg, weil man die Folgen wirklich nicht abschätzen kann“, lautet deshalb der Rat. Die Gefahr der Überdosierung ist groß. Vielfach sind sich die Konsumenten dieses Risikos aber ebenso wenig bewusst wie der Unrechtmäßigkeit ihres Tuns. Dabei sind die „Psilos“ seit Anfang 1988 im Betäubungsmittelgesetz aufgeführt und so dem wachsamen Auge der Drogenfahnder ausgesetzt. Fündig werden die Kollegen vor allem bei Gästen von Techno-Diskos, aber auch in privaten Kühlschränken, wo die Pilze gelagert werden. Dabei halten sich die Ermittlungserfolge jedoch in Grenzen. Im vergangenen Jahr beschlagnahmte die Polizei 77 Gramm „Psilos“, dieses Jahr sind es bisher 342 Gramm. Weil schon ein größerer Fund die Statistik nach oben treiben kann, lässt sich daraus jedoch kein genereller verstärkter Trend zu „Glückspilzen“ ableiten. Vielmehr wertete der Experte diese Drogen als typische Ergänzungsprodukte im Sortiment derer, die auch Haschisch oder Marihuana zu sich nehmen. (mag)

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