Pilzrausch kann sich zum Horrortrip entwickeln
Vor allem bei Jüngeren in der Szene
beliebt: der Spitzkegelige Kahlkopf
Die Droge dröhnt wie LSD, hinterlässt bei Konsumenten
kaum verräterische Spuren und wächst auf fast jeder
Kuhweide. Kein Wunder das besonders die Jüngeren in der Szene
scharf sind auf den Spitzkegeligen Kahlkopf. Der unscheinbare,
vielleicht fingerhutgroße Pilz wird Diskobesuchern vergleichsweise
billig angeboten oder einfach selber geerntet. Offenbar immer
öfter auch am Straßenrand von Kiel, wie Anwohner berichten.
Dass die Modedroge schwere körperliche und bleibende psychische
Schäden bewirken kann, wird dabei ignoriert.
„Es sind meist nette junge Leute, die nicht so aussehen, als kämen
sie aus der Drogenszene“, beschreibt eine Frau die Pilzsammler
der neuen Generation. Auf den Weiden, die an ihren Garten angrenzen,
beobachtet sie immer wieder Jugendliche, die nicht nach schmackhaften
Speisepilzen greifen, sondern nur die kleinen Gewächse herauspicken.
Ihren Verdacht, dass hier nicht die nahrhafte, sondern die berauschende
Wirkung im Mittelpunkt steht, hat die Frau schon mehrfach bestätigt
bekommen. „Viele geben es zu und verharmlosen die Sache“, berichtet
die Zeugin. Pilze seien ja nur saisonale Drogen und zudem völlig
natürliche Produkte, lautet die beliebtesten Rechtfertigungen.
Manchmal wird aber auch einfach behauptet, man sammle Anschauungsmaterial
für den Biologieunterricht.
Die größte Gefahr ist die Dosierung. Der Wirkstoff
Psilocybin, der verantwortlich für die berauschende Wirkung
des Spitzkegeligen Kahlkopfes ist, kann je nach Temperatur oder
Luftfeuchtigkeit an seinem Standort ganz schwach oder auch absolut
überdosiert in einem Pilz enthalten sein. Im harmlosesten
Fall spürt der Konsument also gar nichts, im schlimmsten
Fall entwickelt sich die anfangs noch stimulierende Halluzinationen
zu alptraumhaften Wahnbildern, die vier bis sechs Stunden anhalten
und nicht abgebrochen werden können. „Psilocybin führt
zu einer körperlichen Abhängigkeit, womöglich aber
in dauerhafte psychiatrische Behandlung“ warnt die Fachfrau. Nicht
ohne sind außerdem die körperlichen Begleiterscheinungen,
die bis zum totalen Kreislaufkollaps führen können.
„Finger weg, weil man die Folgen wirklich nicht abschätzen
kann“, lautet deshalb der Rat. Die Gefahr der Überdosierung
ist groß. Vielfach sind sich die Konsumenten dieses Risikos
aber ebenso wenig bewusst wie der Unrechtmäßigkeit
ihres Tuns. Dabei sind die „Psilos“ seit Anfang 1988 im Betäubungsmittelgesetz
aufgeführt und so dem wachsamen Auge der Drogenfahnder ausgesetzt.
Fündig werden die Kollegen vor allem bei Gästen von
Techno-Diskos, aber auch in privaten Kühlschränken,
wo die Pilze gelagert werden. Dabei halten sich die Ermittlungserfolge
jedoch in Grenzen. Im vergangenen Jahr beschlagnahmte die Polizei
77 Gramm „Psilos“, dieses Jahr sind es bisher 342 Gramm. Weil
schon ein größerer Fund die Statistik nach oben treiben
kann, lässt sich daraus jedoch kein genereller verstärkter
Trend zu „Glückspilzen“ ableiten. Vielmehr wertete der Experte
diese Drogen als typische Ergänzungsprodukte im Sortiment
derer, die auch Haschisch oder Marihuana zu sich nehmen. (mag)