prairie 8. Mai 2001
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Zauberpilze in gewissen Lokalen

Von Sylvia Köchl

Wild treibens die jungen LungauerInnen - konnte man jüngst der Presse entnehmen. Sylvia Köchl hat sich die Lektüre angetan.

Im Salzburger Lungau sind die ganz Harten daheim. An die 100 junge LungauerInnen - angeführt von ein paar auswärtigen "Großdealern" und "Lieferanten" - haben nämlich in skrupelloser Manier und derart geschickt mit Haschisch und "Zauberpilzen" gehandelt, dass es einer glatt die Sprache verschlägt. Der nunmehr ausgehobene "Rauschgiftring", der von der Polizei monatelang observiert worden war, lukrierte sagenhafte zwei Millionen Schilling. Da staunte sogar der gewiefte Ermittler der Gendarmerie, Karl-Heinz Wochermayr: "Die Drogen wurden in gewissen Lokalen an den Mann gebracht." Mehr noch. In diesen "gewissen Lokalen" wurden regelrechte "Drogendepots" angelegt.

Das waren die aufsehenerregenden Details, die am 10. Mai an die Öffentlichkeit gelangten. Tags darauf kam jedoch erst das ganze Ausmaß der Lungauer Drogenaffäre ans Licht. Nicht nur mit Haschisch und "Zauberpilzen" soll der "Ring" sich selbst und die gesamte wehrlose Lungauer Jugend versorgt haben, sondern mit "130 Gramm Heroin, 100 Gramm Speed, 8.000 Rauschpilzen, 600 Ecstasy-Tabletten, 400 Anabolika und gleich kiloweise Cannabisprodukten". Ein heroinabhängiger Mondseer und ein Frankfurter sollen die Drogen in den Lungau geliefert haben. Und nicht nur in den gewissen Lokalen, sondern auch bei "illegalen Raveparties in einer Schutzhütte" wurde das Teufelszeug verscherbelt. Die Einvernahmen brachten dann noch Geschichten zutage, die selbst die hartgesottenen Lungauer Verhör-Spezialisten weichkochten: "So prahlte etwa ein Konsument damit, dass er unter Drogeneinfluss auf der Tauernautobahn mit Tempo 210 unterwegs gewesen war. Der heroinsüchtige Lieferant aus Mondsee gab ebenfalls zu, unter Drogeneinfluss ein Auto gelenkt zu haben."

Das alles muss uns doch zum Nachdenken bringen, vor allem wenn mann/frau zudem noch weiß, dass die KonsumentInnen zwischen 15 und 18 Jahre alt sind. Hat denn die Lungauer Jugend gar keine Werte mehr? Und wo kommen wir hin, wenn heroinabhängige Mondseer gemeinsam mit irgendwelchen Deutschen plötzlich die Idylle der österreichischen Provinz zum Drogensumpf machen! Außerdem ist der Lungau kein Einzelfall. Aufgeschreckt durch diese Ereignisse haben nämlich auch die Bürgermeister im benachbarten Tennengau Alarm geschlagen. Jugendliche, die "Alkohol trinken, Marihuana rauchen und dann randalieren" würden dort immer häufiger gesichtet. "Der Vandalismus steigt", so einer der Dorfkaiser, "zu Mitternacht werden Mopeds angezündet und so weiter". Und so weiter? Was mag wohl die Steigerungsstufe von Mopedanzünden sein? Polizeiautos anzünden und Barrikaden bauen?

Nachzudenken ist aber andererseits auch ernsthaft über die Drogenpolitik, die diese Regierung so betreibt. Konsum und Weitergabe von Haschisch und sogar von Pilzen wird zunehmend kriminalisiert, die Mär von der Einstiegdroge wieder aufgewärmt und mit der überproportionalen Betonung jener Gefahr, die angeblich von sogenannten Drogen-LenkerInnen ausgeht, wird das tatsächliche Problem des Alkoholkonsums im Straßenverkehr verharmlost. Wozu? Die Drogenstatistik als einer der wichtigsten Katalysatoren für die jeweils gewünschte Drogenpolitik wird durch die Verfolgung von solch erbärmlichen "Rauschgiftringen" wie nun im Lungau jedenfalls gewaltig aufgefettet. 100 Kriminelle und ein paar Gramm Heroin mehr schlagen dort sicher ordentlich zu Buche. Ganz abgesehen davon, dass es wohl in Zukunft eine Sorte mehr in der Reihe der gefährlichen Rauschmittel geben wird: gezählte 8.000 Stück "Rauschpilze" sind ja schließlich kein Pappenstiel

 

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