| Berliner Zeitung
19.02.1997, Nachrichten |
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| Magische Pilze für das junge Gemüse Japaner streiten um Verbot anregender Pflanzen Von Angela Köhler, Tokio In den engen Gassen des Tokioter Trend-Bezirks Shibuya werden sie angeboten wie Reisbällchen oder Tintenfisch: magische Pilze und anregende Kakteen, die für stolze 200 bis 500 Mark pro Töpfchen munter weggehen. "Keine Angst, diese Pflanzen oder Sporen sind absolut problemlos", besänftigen Verkäufer verunsicherte Kunden. Jeder könne den Trip mit Natur-LSD genießen, ohne Angst vor Nachbarn oder Polizei haben zu müssen. Drogen aller Art sind in Japan strikt verboten und der Mißbrauch wird härter als in den meisten anderen Ländern bestraft. Junkies sind in Japan aber auch deshalb relativ selten, weil die Insellage Nippons es extrem schwer macht, Rauschgift in das Land zu schmuggeln. Der Kauf von Pflanzen aber ist legal. Diese Pilze oder Kakteen enthalten Halluzigene, zum Beispiel Psilo-cybin und Peyote, die zu den bekanntesten Rauschgiften gehören und in Mexiko schon seit Jahrzehnten von Priestern benutzt werden, um bei religiösen Stammes- und Opferfeiern tranceartige Zustände zu erreichen. Kunden für die Gemüse-Drogen sind vor allem junge Leute, die bei Reisen nach Südostasien oder Lateinamerika auf den Geschmack gekommen sind oder die einfach etwas Neues ausprobieren wollen. Polizei und Behörden streiten unterdessen, ob man Einfuhr und Vertrieb der Pflanzen nicht auch verbieten sollte. In Indonesien stehen sie auf dem Index für illegale Drogen, in mehreren US-Bundesstaaten ist das Kultivieren untersagt. Das japanische Gesetz bietet derzeit noch eine Lücke. Es stellt die Gewinnung von Halluzinogenen unter Strafe, nicht aber den Verkauf der Pflanzen, aus denen sie extrahiert werden können. Experten, die die These von der Einstiegsdroge vertreten, warnen dagegen eindringlich, daß der Drogenkonsum von Jugendlichen ein immer ernsthafteres Problem werde. Wer mit Bio-Anregern beginne, wolle oft auf Stärkeres umsteigen. |