Erleben von LSD

LSD Broschüre von LAG Drogen des Landesverbandes Berlin von Bündnis 90/Die Grünen

Erleben von LSDErleben von LSD

Inhalt:

Vorwort

Warum macht das GAJB eine LSD Broschüre?

Der Begriff "LSD" ist in der breiten Öffentlichkeit mit diffusen Ängsten besetzt. Er wird assoziiert mit Horrortrips, Persönlichkeitszerfall, Psychiatrie und Selbstmord. Es gibt auch die Vorstellung, daß wenn breite Bevölkerungsschichten LSD konsumieren ein gesellschaftlicher Verfall oder Anarchie eintritt. Andererseits beschreiben viele Konsumenten außergewöhnliche Erlebnisse, die ihr Leben bereichert haben.
Seit den 60er Jahren sind diese unterschiedlichen Sichtweisen sehr emotional besetzt und unreflektiert aufeinandergeprallt. Das führte zu einer völligen Fehlinterpretation der LSD-Wirkungen. In letzter Konsequenz führte das zu dem Totalverbot der Substanz und der Kriminalisierung der Konsumenten. In den 70er und 80er Jahren wurde es relativ ruhig um LSD. Erst in den 90ern erlebte das Halluzinogen durch die Technoszene wie einige andere Drogen seine Renaissance *. Und wieder herrscht in den Medien Panikmache vor. Die Konsumenten gelten automatisch als suchtgefährdet und krank. Wir sehen in dieser neu entflammten Diskussion nach 55 Jahren LSD die Chance für eine wissenschaftliche und kulturelle Neubewertung der Substanz. Eine Versachlichung der Diskussion ist dringend notwendig. Auch der Ansatz, LSD in der Psychotherapie anzuwenden muß neu überdacht werden. Es muß für uns ein neuer gesellschaftlicher Umgang mit LSD und den anderen Drogen folgen. Denn unter den repressiven Bedingungen des Schwarzmarktes ist ein risikoreduzierter Konsum kaum möglich. Die massiven Repressionsmaßnahmen konnten keine drogenfreie Gesellschaft hervorbringen, sie haben die Situation erst verschärft. Darum muß aus der Sicht des GAJB glaubwürdige Aufklärung bei legalem Zugang zu allen Drogen die logische Konsequenz sein.
*Nach einer Studie von Hans Peter Tossmann in der Technoszene gaben 37,0 %

der Befragten an, schon einmal Halluzinogene konsumiert zu haben.

 

LSD-Produkte

LSD kommt meist in Form von Papiertrips (Pappen, Tickets) oft mit bunten Comicmotiven oder als Mikrotabletten ("Mikros") auf den Markt. Auf einem Papiertrip ist durchschnittlich 80 Mikrogramm (Mikrogramm = 1 millionstel Gramm) LSD aufgebracht. Der Gehalt der Pappen kann aber zwischen 25 und 250 Mikrogramm LSD schwanken. Besonders hoch dosiert sind üblicherweise die Mikros, sie enthalten durchschnittlich 250 Mikrogramm Wirkstoff. LSD zersetzt sich unter der Einwirkung von Feuchtigkeit, Wärme und direktem Sonnenlicht zu kaum noch wirksamen Abbauprodukten. Um dies zu verhindern wird es möglichst luftdicht verpackt - von den Lebensmitteln sorgfältig getrennt - im Kühlschrank gelagert.

Dosierungen:
  • 25 - 50 Mikrogramm: Schwellendosis um erste leichte körperliche und schwache psychische Effekte zu spüren
  • 50 - 150 Mikrogramm: heute üblicherweise auf Technopartys eingesetzte Dosierung
  • >250 Mikrogramm: Von Albert Hofmann bei seinem ersten freiwilligen LSD-Trip eingenommene Dosis (siehe Erlebnisbericht)
  • 300-500 Mikrogramm: Während der Hippieära bevorzugte Dosierung
  • 850 Mikrogramm: Hohe bei psychedelischen Therapien eingesetzte Dosierung
Eine letale Dosierung konnte nicht ermittelt werden, sie wird auf 14000 Mikrogramm geschätzt.
Aus diesen Zahlen ergibt sich eine große therapeutische Breite, die der Spanne zwischen effektiver und toxischer Dosierung. LSD ist also hinsichtlich seiner vermuteten letalen Wirkung innerhalb des gebräuchlichen Dosisbereichs eine sehr sichere Droge

(Robert Julien, Drogen und Psychopharmaka).

 

Die Entdeckung des LSD

LSD wurde erstmals 1938 durch den Schweizer Chemiker Albert Hofmann* in den pharmazeutisch-chemischen Forschungslaboratorien der Firma Sandoz in Basel hergestellt. Hofmann arbeitete damals in einem Forschungsprogramm welches sich mit der Isolierung und chemischen Abwandlung von Mutterkornalkaloiden beschäftigte. Solche Verbindungen sind aufgrund ihrer gebärmutterkontrahierenden und blutstillenden Wirkungen wichtige Arzneimittel in der Geburtshilfe. So fand Mutterkorn als Wehenmittel erstmals 1582 Erwähnung im Kräuterbuch des Frankfurter Stadtarztes Adam Lonitzer. Außerdem werden aus Mutterkorn hergestellte Medikamente zur Behandlung der Migräne, Durchblutungsstörungen, Bluthochdruck und Kreislaufregulationsstörungen eingesetzt. Mutterkorn wird durch den niederen Pilz Claviceps purpurea erzeugt, der vor allem auf Roggen, aber auch auf anderen Getreidearten und auch auf Wildgräsern wuchert. Die von dem Pilz befallenen Körner entwickeln sich zu braun-violetten Zapfen (Sklerotien), die sich anstelle eines normalen Kornes aus den Spelzen hervordrängen. Botanisch stellt Mutterkorn das Dauermycel, die Überwinterungsform des Mutterkornpilzes, dar.

Albert Hofmann setzte zunächst die Lysergsäure, den Grundbaustein aller therapeutisch bedeutenden Mutterkornalkaloide frei. Diese setzte er dann mit einer Reihe von Chemikalien um und ließ die so gewonnen halbsynthetischen Lysergsäurederivate hinsichtlich kreislauf- und atmungsstimulierenden Wirkungen testen. Die 25. Substanz in dieser Reihe war das Lysergsäure-diethylamid, für den Laborgebrauch als LSD-25 bezeichnet. "Acid" (Szenename für LSD) ist demnach keine ätzende Säure sondern im Gegenteil eine Base, die von Hofmann mit Weinsäure neutralisiert wurde um das Salz Lysergsäure-diethylamid-tartrat zu kristallisieren. Bei der Prüfung von LSD-25 in der pharmakologischen Abteilung von Sandoz, wurde eine nur mittelstarke Wirkung auf die Gebärmutter festgestellt. Außerdem war im Untersuchungsbericht vermerkt, daß die Versuchstiere in der Narkose unruhig waren. Die Substanz erweckte bei den Pharmakologen kein besonderes Interesse und so sollte es die nächsten fünf Jahre noch still um LSD-25 bleiben.
Einer "merkwürdigen Ahnung" folgend, dieser Stoff könne noch andere als nur die bei der Untersuchung festgestellten Wirkungsqualitäten besitzen, veranlaßten Hofmann fünf Jahre nach der ersten Synthese LSD-25 nochmals herzustellen, um es erneut für eine Prüfung in die pharmakologische Abteilung zu geben. In der Schlußphase der Synthese, bei der Reingung und Kristallisation des Lysergsäure-diethylamid-tartrats wurde Hofmann durch ungewöhnliche Empfindungen gestört.
Er notierte:
"Vergangenen Freitag, den 16. April 1943, mußte ich mitten im Nachmittag meine Arbeit im Laboratorium unterbrechen und mich nach Hause begeben, da ich von einer merkwürdigen Unruhe, verbunden mit einem leichten Schwindelgefühl, befallen wurde. Zu Hause legte ich mich nieder und versank in einem nicht unangenehmen rauschartigen Zustand, der sich durch äußerst angeregte Phantasie kennzeichnete. Im Dämmerzustand bei geschlossenen Augen - das Tageslicht empfand ich als unangenehm grell - drangen ununterbrochen phantastische Bilder von außerordentlicher Plastizität und mit intensivem, kaleidoskopartigem Farbenspiel auf mich ein. Nach etwa zwei Stunden verflüchtigte sich dieser Zustand."
Hofmann konnte sich dieses Phänomen nicht schlüssig erklären, vermutete aber, daß er beim Reinigen der Substanz mit dieser in Kontakt kam und eine kleine Menge resorbiert haben mußte. Vom Forscherdrang gepackt ging der bürgerliche Chemiker drei Tage später auf den ersten freiwilligen LSD-Trip der Menschheitsgeschichte. Hinsichtlich der Dosis orientierte er sich an denen anderen Mutterkornalkaloiden und verwendete eine vergleichsweise winzige Menge von 250 Mikrogramm (0,25 Milligramm, 0,00025 Gramm). Heute wissen wir, daß ein Fünftel dieser Dosis für den Anfang wohl ausgereicht hätte.
Hofmanns Fehleinschätzung hatte ziemlich heftige Folgen:
19. April 1943: Herstellung einer 0,5 promilligen wäßrigen
Tartrat-Lösung von Lysergsäurediethylamid
16.20 Uhr: 0,5 cc. (250 Mikrogramm) LSD oral eingenommen.
Die Lösung ist geschmacklos.
16.50 Uhr: Es sind keinerlei Wirkungen festzustellen.
17.00 Uhr: Beginnender Schwindel, Angstgefühl, Sehstörungen,
Lähmungen, Lachreiz.
Die letzten Worte konnte Hofmann nur noch mit großer Mühe niederschreiben. Später fertigte er folgenden Bericht an:
"Schon jetzt war mir klar, daß LSD die Ursache des merkwürdigen Erlebnisses vom vergangenen Freitag gewesen war, denn die Veränderungen der Empfindungen und des Erlebens waren von gleicher Art wie damals, nur viel tiefergehender. Ich konnte nur noch mit größter Anstrengung verständlich sprechen, und bat meine Laborantin, die über den Selbstversuch orientiert war, mich nach Hause zu begleiten. Schon auf dem Heimweg mit dem Fahrrad nahm mein Zustand bedrohliche Formen an. Alles in meinem Gesichtsfeld schwankte und war verzerrt wie in einem gekrümmten Spiegel. Auch hatte ich das Gefühl, mit dem Fahrrad nicht vom Fleck zu kommen. Indessen sagte mir später meine Assistentin, wir seien sehr schnell gefahren. Schließlich doch noch heil zu Hause angelangt, war ich gerade noch fähig, meine Begleiterin zu bitten, unseren Hausarzt anzurufen. ...
Meine Umgebung hatte sich nun in beängstigender Weise verwandelt. Alles im Raum drehte sich, und die vertrauten Gegenstände und Möbelstücke nahmen groteske, meist bedrohliche Formen an. Sie waren in dauernder Bewegung, wie belebt, wie von innerer Unruhe erfüllt. Die Nachbarsfrau ... erkannte ich kaum mehr. Das war nicht mehr Frau R., sondern eine bösartige heimtückische Hexe mit einer farbigen Fratze. Schlimmer als die Verwandlungen der Außenwelt ins Groteske waren die Veränderungen, die ich in mir selbst, an meinem innersten Wesen, verspürte. Alle Anstrengungen meines Willens, den Zerfall der äußeren Welt und die Auflösung meines Ichs aufzuhalten, schienen vergeblich. Ein Dämon war in mich eingedrungen und hatte von meinem Körper, von meinen Sinnen und von meiner Seele Besitz ergriffen. Eine furchtbare Angst, wahnsinnig geworden zu sein, packte mich. Ich war in eine andere Welt geraten, in andere Räume, in eine andere Zeit.
... Lag ich im Sterben? War das der Übergang? ... Der Höhepunkt meines verzweifelten Zustandes war bereits überschritten, als der Arzt eintraf. Meine Laborantin klärte ihn über meinen Selbstversuch auf, da ich selbst noch nicht fähig war, einen zusammenhängenden Satz zu formulieren.
Nachdem ich ihn auf meinen vermeintlich vom Tode bedrohten körperlichen Zustand hinzuweisen versucht hatte, schüttelte er ratlos den Kopf, da er außer extrem weiten Pupillen keinerlei abnorme Symptome feststellen konnte. Puls, Blutdruck und Atmung waren normal. ... Langsam kam ich wieder aus einer unheimlich fremdartigen Welt zurück in die vertraute Alltagswirklichkeit. Der Schrecken wich allmählich und machte einem Gefühl des Glücks und der Dankbarkeit Platz, je mehr normales Fühlen und Denken zurückkehrte und die Gewißheit wuchs, daß ich der Gefahr des Wahnsinns endgültig entronnen war. Jetzt begann ich allmählich das unerhörte Farben- und Formenspiel zu genießen, das hinter meinen geschlossenen Augen andauerte. Kaleidoskopartige sich verändernd, drangen bunte, phantastische Gebilde auf mich ein, in Kreisen und Spiralen sich öffnend und wieder schließend, in Farbfontänen zersprühend, sich neu ordnend und kreuzend, in ständigem Fluß. Besonders merkwürdig war, wie alle akustischen Wahrnehmungen, etwa das Geräusch einer Türklinke oder eines vorbeifahrenden Autos, sich in optische Empfindungen verwandelten. Jeder Laut erzeugt in Form und Farbe entsprechendes, lebendig wechselndes Bild. ... Erschöpft schlief ich dann ein und erwachte am nächsten Morgen erfrischt mit klarem Kopf, wenn auch körperlich noch etwas müde. Ein Gefühl von Wohlbehagen und neuem Leben durchströmte mich. ... Als ich später in den Garten hinaustrat, in dem nach einem Frühlingsregen nun die Sonne schien, glitzerte und glänzte alles in einem frischen Licht. Die Welt war wie neu erschaffen. Alle meine Sinne schwangen in einem Zustand höchster Empfindlichkeit, der noch den ganzen Tag anhielt. ...
Von großer Bedeutung erschien mir, daß ich mich an alle Einzelheiten des im LSD-Rausch Erlebten erinnern konnte. ... Auch war ich mir während der ganzen Dauer des Versuchs bewußt, im Experiment zu stehen, ohne daß ich allerdings aus der Erkenntnis meiner Lage heraus und bei allen Willensanstrengungen fähig gewesen wäre, die LSD-Welt zu verscheuchen. ... Was ich an LSD erstaunlich fand, war seine Eigenschaft, einen derart umfassenden Rauschzustand zu erzeugen, ohne einen Kater zu hinterlassen".
*Für seine außergewöhnlichen Arbeiten auf dem Gebiet der Naturstoffchemie verlieh der Fachbereich Pharmazie der Freien Universität Berlin Dr. Albert Hofmann am 3. Dezember 1988 die Ehrendoktorwürde.

Geschichte und Prohibition

Zunächst schien LSD ein vielversprechendes Medikament zu sein. In den ersten Jahren wurde die Droge vielen psychologischen Forschern zugänglich gemacht, und Mitte der Fünfziger Jahre war bereits ein beachtlicher Erfahrungsschatz zusammengetragen worden. Da die Versuche auf psychiatrischer Ebene immer im kontrolliertem Setting gemacht wurden, und die Versuchspersonen davon in Kenntnis gesetzt worden waren, daß sie einen außergewöhnlichen Zustand erfahren würden, hatten sie keine negativen Auswirkungen. Besonderes Aufsehen erregte dagegen der Fall des Dr. Olson, dem man im Rahmen von Drogenexperimenten in der US-Army ohne sein Wissen LSD verabreicht hatte und der dann durch einen Sprung aus dem Fenster Selbstmord beging. Seiner Familie war damals unerklärlich, wie es bei diesem ruhigen, ausgeglichenen Mann zu dieser Tat hatte kommen können. Erst fünfzehn Jahre später, als die Geheimakten über jene Versuche öffentlich wurden, erfuhr sie den wahren Sachverhalt, worauf der damalige Präsident der Vereinigten Staaten, Gerald Ford, den Hinterbliebenen öffentlich das Bedauern der Nation zum Ausdruck brachte.

Aldous Huxley brachte 1956 den Begriff "psychedelisch" auf - es leitet sich von "psyche" (Seele, Geist) und "delos" (hervorbringend oder manifestierend) her. Er war einer der ersten, die die Droge außerhalb einer medizinischen Anwendung probierten. Der Konsum der Droge breitete sich bei Wissenschaftlern, Künstlern und Intellektuellen aus, bald erschienen Reportagen in großen Magazinen. So brachte das amerikanische Magazin "Look" 1959 einen Artikel "The curious story behind the new Cary Grant", in dem der berühmte Filmschauspieler über seine LSD-Erfahrungen im Rahmen einer psychotherapeutischen Behandlung berichtete. Erst die Behandlung mit LSD habe aus ihm einen neuen, in sich selbst gefestigten Menschen gemacht, der nach drei gescheiterten Ehen nun glaube, jetzt wirklich lieben und eine Frau glücklich machen zu können. Auch das Buch von Constance A. Newland "My Self and I", in dem sie schildert, wie sie durch LSD von ihrer Frigidität geheilt wurde, dürfte zur Ausbreitung beigetragen haben. So kam es, daß die Substanz sich schneller verbreitete als das Wissen darüber, viele Menschen glaubten, es genüge, LSD zu nehmen um wunderbare Wandlungen in sich hervorzurufen. Zudem erloschen 1963 die Patente von Sandoz, so daß die Substanz praktisch von jedem hergestellt werden konnte.
In den Jahren 1964 bis 1966 erreichte die Publizität um LSD ihren Höhepunkt, sowohl was begeisterte Berichte von Drogenfanatikern und Hippies über die Wunderwirkung von LSD als auch was Meldungen von Unglücksfällen, von seelischen Zusammenbrüchen, von kriminellen Handlungen, Morden und Selbstmorden unter dem Einfluß von LSD anbetraf.
Obwohl viele Albert Hofmann die Entdeckung einer "Wunderdroge" zuschreiben, gab es in den USA bald Widerstand gegen die psychedelische Bewegung. Besonders die Gestalt von Dr. Timothy Leary wurde hierbei zum Angelpunkt. Er hatte Anfang der sechziger Jahre an der Harvarduniversität mit LSD vielversprechende Versuche gemacht. Als sich dann aus Testserien LSD-Parties entwickelten, wurde Timothy Leary aus dem Lehrkörper entlassen und gründete eine eigene Organisation, die IFIF (International Federation for Internal Freedom).
Leary´s Slogan "turn on - tune in - drop out!" wurde zu einem zentralen Glaubenssatz der Hippiebewegung. Durch Ken Kesey, der als Student an den Versuchen von Leary teilgenommen hatte und mit einer Gruppe von Leuten in seinem bunt bemalten Magic Bus durch die USA fuhr, wurden sowohl die Hippie-Ideale als auch LSD verbreitet. Kein Wunder, daß die Aufforderung, aus dem bürgerlichen Leben auszusteigen, bald bei den politischen Behörden der USA auf Widerstand traf.
LSD wurde in der Presse immer mehr verteufelt, es kursierten Gerüchte, daß Leute auf LSD dachten, sie könnten fliegen und sich dann aus dem Fenster stürzten, oder sie glaubten, sie seien eine Orange und wollten sich pellen oder man könne davon blind werden oder Chromosomenschäden bekommen. Die geschürte Hysterie war reaktionären Politikern geradezu willkommen, um LSD zu verbieten, und so große Teile der verhaßten Protestbewegung kriminalisieren zu können.
Am 16.10.1966 wurde es schließlich in den USA verboten. Unter maßgeblichem Einfluß der USA wurden die Halluzinogene dann in die Liste der besonders gefährlichen Drogen (UNO Single Convention on Narcotic Drugs) gesetzt, was einem Totalverbot des LSD für Therapie, Forschung und Freizeitgebrauch bedeutet.

In der Bundesrepublik ist LSD seit 1971 im Betäubungsmittelgesetz als nicht verkehrsfähig eingestuft.

 

Vom Urkult zur Kultur:


LSD auf Technopartys

Seit Urzeiten werden in fast allen Regionen der Erde halluzinogene Drogen rituell eingenommen um spirituelle Erfahrungen und ekstatisches Erleben auszulösen bzw. zu intensivieren. Auch im antiken Europa wurde ein psychedelisches Ritual zelebriert: Die Mysterienspielen von Eleusis - nahe bei Athen - wurden alljährlich abgehalten, um die Göttin Demeter für eines ihrer wertvollsten Geschenk an die Menschen, den Getreideanbau, zu ehren. Es waren die bedeutendsten Mysterien des Altertums, die über einen Zeitraum von fast 2000 Jahren, von etwa 1500 v.Chr. bis ins 4. Jahrhundert n. Chr. begangen wurden. Dabei wurde von den Priestern ein Trank gereicht, der vermutlich mit dem Mutterkornpilz versetzt war, und die Teilnehmer gleichzeitig in einen ekstatisch visionären Zustand versetzt haben soll.

Im mittelalterlichen Europa wurden die Frauen, die über die Wirkung und Anwendungspraktiken von psychoaktiven Pflanzen und Pilzen wußten, von der Kirche verfolgt, der Inquisition verurteilt und als Hexen verbrannt. So ging in unseren Breiten viel von dem ursprüngliche Wissen über die vorrübergehende bewußtseinsverändernde Wirkung heimischer Pflanzen und Pilze verloren.
In abgelegenen Gebieten Südmexikos konnten einige Indianerstämme ihre magischen Kulte in Verbindung mit der Einnahme von Mutterkornalkaloiden bis heute in nahezu ursprünglicher Form bewahren. Bei den Mazateken und Zapoteken benutzten die Heilpriester in religiös-zeremoniellem Rahmen einen halluzinogenen Trank, der aus dem Samen der Windenarten Turbina corymbosa und Ipomoea violazea, bereitet wird. Diese als Ololiiqui-Trank bezeichneten Droge enthält Alkaloide, die auch im Mutterkorn vorkommen, nämlich Lysergsäureamid und Lysergsäure-hydroxyethylamid, also sehr nahe Verwandte von LSD.
Der seit einigen Jahren in der Technoszene, hier vor allem bei Anhängern der Goa- und Trance-Musik zu verzeichnende Trend hin zu halluzinogenen Drogen setzt die urkultischen Traditionen von drogenvermittelten Ekstase Erlebnissen fort. Die gemeinsame Einnahme von halluzinogenen Drogen wird dabei wieder zum gruppendynamischen Erlebnis, zum verbindendem Katalysator von Ekstase und Trance.
Eine Partygängerin berichtet:
"Auf LSD Party zu feiern, ist für mich mehr als bei entsprechender Dekoration "Optik zu schieben" und zur Musik abzuspacen. Ich tanze dann vielmehr auf dem Spiegel meines Bewußtseins oder treffender ausgedrückt, ich schwebe frei über ihm - entmaterialisiert - und beginne mit der mich durchdringenden Musik zu verschmelzen. Ich habe das Gefühl, daß der Raum in dem ich mich befinde durch mein eigenes Ich definiert wird, und die anderen Partygäste wenn sie diesen Raum betreten in mich eintreten. Ich erkenne dann die Bedeutung dieser Personen für mein Leben und werte sie als gut und wichtig, auch wenn ich dieser Person im nüchternen Alltag scheinbar feindselig gegenüber stehe. Auf dem Dancefloor läuft Kommunikation auf höchst subtile Weise über Körpersprache und Blickkontakte ab.
Nach einiger Zeit verlasse ich dann den Dancefloor. Auf dem Weg zum Chilloutspace reichen mir rührige Partyhelfer einen aromatischen Chai und dabei ergibt sich die Gelegenheit zu einem angenehmen Gespräch. Im Chilloutspace angekommen, setze ich mich auf eine Matratze und beobachte den DJ, den ich schon lange kenne, bei der Kreation seines leicht durch den Raum schwebenden Sounds. Er produziert die Musik nicht, er spielt mit ihr und mir wird bewußt, daß er die Kunst "das Leben zu spielen" mit der Zeit zur Perfektion gebracht hat, mit einer mich faszinierenden Leichtigkeit. Über der ganzen durch eine große Friedlichkeit geprägte Szenerie, wacht ein feuerspuckender Drache, an dem sich diejenigen verbrennen, die versuchen uns auf einen Weg zu zwingen, den wir nicht gehen möchten. Ich habe das Gefühl mit höchster Sensibilität auf die mich umgebenen Menschen eingehen zu können. Kommunikation findet in einer höheren Dimension statt. Beim Sex kommt es zu einem völligen Ineinanderfließen von Körpern und Seelen.
Auch wenn ich für "begrenzte Ewigkeiten" auf solchen Partys lebe, tauche ich doch immer wieder in den nüchternen Alltag ein, um dort meine Frau zu stehen".

Wirkmechanismus von LSD

Damit ein Individuum in seiner Umwelt selbständig existieren kann, muß es sein eigenes Ich von seiner Umwelt und von den anderen Menschen klar abgrenzen können. Ferner muß die nahezu unendlich große Flut von optischen, akustischen und sonstigen Sinneseindrücken durch Vergleich mit unmittelbar zuvor aufgenommenen Reizen sowie mit den im Gedächtnis oder Unterbewußtsein abgelegten Informationen bewertet, interpretiert und auf ein zu verarbeitendes Maß gefiltert werden, bevor diese bewußt wahrgenommen werden können. Dabei scheint dem im Zwischenhirn lokalisierten Thalamus, der Eingangspforte zur Großhirnrinde und damit zum Bewußtsein, die entscheidende Rolle zuzukommen: Die von den Augen, von den Ohren, der Nase oder der Haut über den Thalamus eingehenden sensorischen Informationen werden in der Großhirnrinde decodiert und über eine Rückkopplungsschleife zum Thalamus zurückprojiziert, um erneut in diese Schleife eingespeist zu werden (cortico-striato-thalamo-cortikales (CSTC) Schleifen-Modell). Dieser Mechanismus schützt das Großhirn vor externer Reizüberflutung, indem die zum Thalamus zurückprojizierten Informationen einen hemmenden Einfluß auf die neu eingehenden äußeren Sinnesreize ausüben (negativer Rückkopplungsmechanismus auf den thalamischen Filter).
Das CSTC-Schleifen-Modell geht davon aus, daß psychedelische Bewußtseinszustände auf einer veränderten Interpretation von inneren und äußeren Reizmustern beruhen. Es wird zunächst angenommen, daß LSD den körpereigenen Botenstoff Serotonin aufgrund der strukturellen Ähnlichkeit imitiert. LSD führt dadurch zu einer Aktivierung bestimmter Serotonin-rezeptoren (vor allem dem 5-HT2A Subrezeptor) auf Nervenzellen des Thalamus, des Stirnhirns und des Streifenhügels (Striatums) *.
Während bei einer angstvollen Ich-Auflösung ("Horrortrip") beobachtet werden konnte, daß das Großhirn von tieferen Strukturen wie den Basalganglien entkoppelt wird, wurde bei der positiv erlebten ozeanischen Selbstentgrenzung eine Überaktivierung des Stirnhirns aufgezeichnet, die einzelnen Hirnregionen spielten aber noch geordnet zusammen. Der thalamische Filter wird geöffnet, was zu einer stark vermehrten Reizeinspeisung führt: Sinnesinformationen werden dann nicht mehr fortlaufend mit Gedächtnisspuren verglichen und damit sinnvoll interpretiert, was zu einer fundamental veränderten Ich- und Umwelterfahrung führt. Im Extremfall, bei sehr hoher LSD-Dosierung, erlebt das Gehirn dann die Welt nur noch in einzelnen Bildern ohne Zusammenhang beziehungsweise mit veränderter Bedeutung - oder als ein unermeßlich fließendes Ganzes, als einen Strom innerer Visionen.
*andere Wissenschaftler erklären die LSD-Wirkung durch eine Aktivitätshemmung der Raphe (Mittellinie) in der Brückenregion des Hirnstamms, ein Hauptzentrum der
Serotoninaktivität im Gehirn.

Risiken und Nebenwirkungen

vorübergehende körperliche Nebenwirkungen

Besonders in der Anfangsphase der LSD-Wirkung können Atmung, Pulsfrequenz, Blutdruck, Körpertemperatur (Schweißausbrüche) und Blutzuckerspiegel erhöht sein. Es kann zu geweiteten Pupillen kommen. Schwindelgefühle und Benommenheit können auftreten. Diese Wirkungen sind für den LSD-Konsumenten spürbar, allerdings beeinträchtigen sie nur selten das Wohlbefinden.

Bleibende Organschäden und Auswirkung auf den Fötus

LSD -Konsum führt nicht zu Organschäden. Auch konnten keine hirnorganische Veränderungen als Folge von LSD-Konsum nachgewiesen werden.
Mögliche Gefahren für den Fötus bei LSD-Konsum während der Schwangerschaft sind unbekannt. Abnormitäten bei Kindern von LSD-Konsumenten treten nicht häufiger auf, als in der Normalbevölkerung. Die Behauptung, LSD-Konsum führe zu Erbgutveränderungen, gehört in das Reich der Ammenmärchen und Antidrogenpropaganda. Die in Laborversuchen festgestellten Chromosomenbrüche sind eindeutig auf die künstlichen Versuchsbedingungen im Reagenzglas zurückzuführen, Bedingungen bei denen auch Aspirin oder destiliertes Wasser zu Chromosomenbrüchen führen.

Psychische Risiken

Die Risiken beim LSD-Konsum liegen eindeutig im psychischen Bereich und sind im Wesentlichen von der Persönlichkeitsstruktur, der vorherrschenden Grundbefindlichkeit und der aktuellen psychischen Verfassung des Konsumenten abhängig.

Akute Panikreaktionen - bad trips

Die Wahrnehmungsveränderungen können derart heftig werden, daß der (unerfahrene) Konsument mit ihnen nicht mehr zurechtkommt: Verwirrtheit und akute Panikanfälle können besonders in der Anfangsphase des LSD-Rauschs die Folge sein. Mit zunehmender Konsumerfahrung werden die Wahrnehmungsveränderungen meistens nicht mehr als beunruhigend empfunden und nicht mehr in Panikreaktionen umgesetzt.
Das Wiedererleben verdrängter traumatischer Erfahrungen oder das Hineinsteigern in eine akute seelische Krise können einen "bad trip" zur Folge haben, insbesondere dann, wenn dem Konsumenten eine Problembewältigung selber nicht gelingt.


Psychosen

Bei Menschen mit einer "Veranlagung zur Schizophrenie"*, soll der Gebrauch von Psychedelika Depressionen, paranoides Verhalten oder psychotische Episoden, die den natürlich auftretenden schizophrenieartigen psychotischen Zuständen ähneln, herbeiführen können. Das solche Episoden eine rein pharmakologische Wirkung der Halluzinogene darstellt, d. h. ohne Drogeneinfluß die Schizophrenie nicht bzw. nie "ausgebrochen" wäre, ist zu bezweifeln.


Hängenbleiben

Bei Menschen mit bestimmten Veranlagungen (z. B. besondere Ich-Schwäche), kann es nach LSD-Konsum zu länger anhaltenden mentalen Störungen kommen. Es sind Fälle bekannt, in denen Wahrnehmungsveränderungen und Halluzinationen nach der Einnahme einer einzigen (meist extrem hohen) Dosis LSD bis zu drei Wochen andauerten.

Flashbacks

Das Wiederauftreten der LSD-Wirkung ohne erneute LSD- Einnahme - der flashback - ist ein rätselhaftes Phänomen. 15% der LSD Anwender geben an, Flashbacks erlebt zu haben. Sie sollen durch Cannabis-Konsum, Angst, Ermüdung, Dunkelheit oder eine "psychedelische Optik" ausgelöst worden sein. Beim Flashback handelt es sich vermutlich um ein Erinnerungsphänomen, ähnlich wie beim deja vu. Die Behauptung, daß Flashbacks durch im Gehirn oder im Fettgewebe gespeichertes und später wieder freigesetztes LSD verursacht werden, konnte wissenschaftlich nie nachgewiesen werden.

Abhängigkeitsrisiko

Eine körperliche LSD-Abhängigkeit entsteht nicht, auch dann nicht, wenn LSD über einen längeren Zeitraum wiederholt eingenommen wird. Im Gegenteil scheint bei Personen, die massiv LSD konsumieren, das Verlangen nach diesen Substanzen mit der Zeit sogar abzunehmen. Tiere verabreichen sich im Laborversuch bestimmte psychotrope Substanzen wie z. B. Kokain, Amphetamin, Opioide und Nikotin aus eigenem Antrieb. Das Ausmaß dieser Selbstverabreichung ist je nach Substanz unterschiedlich und soll das "Mißbrauchspotential" einer Substanz für den Menschen widerspiegeln. Labortiere neigen nicht zur Selbstverabreichung von Halluzinogenen.
*Ca. 1% der Menschen auf der Erde erkranken im Laufe ihres Lebens an einer "schizophrenieartigen Psychose"; - und zwar unabhängig ihrer Hautfarbe, Herkunft und den kulturell bedingten Unterschieden in ihren Drogenkonsumgewohnheiten.
Resümee


Der amerikanische Pharmakologe Robert Julien resümiert in seinem Buch "Drogen und Psychopharmaka";, daß seit zwanzig Jahren einer der Klassiker unter den Lehrbüchern der Psychopharmakologie ist: " Die Furcht vor langfristigen Gefahren für den gesellschaftlichen Zusammenhalt im Falle einer Ausbreitung des LSD-Konsums - wie in den USA in den sechziger Jahren - ist wohl ziemlich unbegründet. Trotz der extrem heftigen und ungewöhnlichen psychedelischen Wirkungen, die LSD auslöst, ist bezüglich gesellschaftlicher Folgen bei anderen psychotropen Substanzen (wie etwa Alkohol, Nikotin und Opioiden) durchaus mehr Besorgnis angebracht".

Stoffwechsel, Nachweis und Toleranzausbildung

Üblicherweise wird LSD geschluckt und innerhalb einer Stunde vom Körper resorbiert. Etwa drei Stunden nach Einnahme erreicht der LSD-Spiegel im Blut sein Maximum, was mit dem Erreichen der maximalen Wirkung übereinstimmt. Die Verteilung der Substanz im Körper erfolgt rasch, LSD diffundiert ungehindert zu seinem Wirkort im Gehirn. Die höchste Konzentration innerhalb des Körpers findet man in der Leber, wo die Droge vor ihrer Ausscheidung verstoffwechselt wird. Die Wirkung hält normalerweise etwa sechs bis acht Stunden an.

Da LSD in extrem geringen Dosen angewendet wird, tritt es nur in Spuren im Urin auf. Konventionelle Methoden der Urinanalyse sind daher nicht empfindlich genug, um LSD nachzuweisen. Bei Verdacht auf LSD-Konsum (z.B. bei Autofahrern) werden Urinproben des mutmaßlichen Konsumenten gesammelt und in einem Speziallabor mittels Radioimmunassay auf ihren LSD-Gehalt untersucht. LSD läßt sich so bis zu drei Tage nach der Einnahme nachweisen.

LSD-Konsum führt rasch zu einer Toleranzausbildung (Gewöhnungseffekt), d.h. nach ein- bis zweimaligen Konsum innerhalb von 1-2 Tagen wird die gleiche Wirkung anschließend erst bei einer 1,5-2 fach höheren Dosis erreicht. Es besteht eine Kreuztoleranz zu Psilocybin, dem Wirkstoff aus den Zauberpilzen. Die Toleranz ist nach ca. einer Woche Abstinenz wieder aufgehoben.

Bewußtseinsforschung

Psychedelische Substanzen wie LSD sollen "bewußtseinserweiternd" bzw."bewußtseinsverändernd" sein oder -wie Albert Hoffman sagt-"...vergessene oder ins Unterbewußtsein verdrängte Erlebnisse beschleunigt ins Bewußtsein bringen" .Somit scheint einer der Schlüssel für die Erklärung der LSD-Wirkung in der Antwort auf die Frage "Was ist eigentlich Bewußtsein ?" zu liegen. Wir wenden uns an dieser Stelle der aufwärtsstrebenden Disziplin "Bewußtseinsforschung"* zu. Lange Zeit wurde sie von Philosophen mit der Meinung dominiert, daß sich Bewußtsein nicht definieren, geschweige denn untersuchen lasse. Keiner dieser Skeptiker vertritt einen dualistischen Standpunkt und würde demnach behaupten, daß der Geist unabhängig von der Materie existiere und sie beeinflussen könne**. Unerklärlich erscheint ihnen jedoch, wie ein physikalisches System einen bewußten Zustand haben kann. Der Wissenschaft fällt es zwar heute nicht mehr schwer, das Gehirn als informationsverarbeitende Maschine zu betrachten, die wiederum Muskeln steuert und damit dem Menschen das Handeln ermöglicht. Unerklärlich bleibt aber wie die im Gehirn verarbeiteten Sinneseindrücke in Form von Empfindungen im Bewußtsein auftauchen. Dort erst werden Schallwellen zu Klängen, elektromagnetische Strahlung zu Farben und Formen und die Ausschüttung von Streßhormonen zur subjektiv erlebten Angst. Wie wird die Wahrnehmung von Licht einer bestimmten Wellenlänge in die subjektive Empfindung von "rot" oder "grün" verwandelt. Wie kann das materielle Gehirn etwas Nichtkörperliches wie Gedanken, Ideen oder Vorstellungen erzeugen? Die skeptischen Philosophen meinen, daß die Fähigkeit zu erleben und die Erfahrungen des Subjektseins für immer vollkommen unbegreiflich bleiben wird. Dem stellen Francis Crick (1962 Medizinnobelpreis für die Aufklärung der DNA-Struktur) und der Neurobiologe Christoph Koch ihre reduktionistische elektrophysiologische Theorie des Bewußtseins gegenüber: Freuden und Sorgen, Erinnerungen und Ambitionen, das Gefühl persönlicher Identität und freien Willens sind demnach nicht mehrals das Verhalten einer Ansammlung von einer kleinen Teilmenge der ca. hundert Milliarden Nervenzellen des menschlichen Gehirns und der zugehörigen Moleküle. Crick und Koch vertreten die These, daß das Bewußtsein von einem Prozeß herrührt, der gezielte Aufmerksamkeit und Kurzzeitgedächtnis kombiniert. Die Philosophien Pat Churchland (San Diego, Kalifornien) sieht in dem Überschreiten der Disziplingrenzen und in der Synthese aus naturwissenschaftlichen und geisteswissenschaftlichen Ansätzen den zukunftsweisenden Weg in der Bewußtseinsforschung. Dabei könnte die Fähigkeit von LSD, psychische und geistige Funktionen tiefgehend zu beeinflussen, (wie von Albert Hofmann postuliert) zu einem wertvollen Werkzeug für eine solche grenzüberschreitende Bewußtseinsforschung werden. In Zeiten in denen das menschliche Erbgut entschlüsselt wird und Körperlichkeit manipulierbar werden kann, stellt die LSD-Wirkung eine sehr beeindruckende Möglichkeit da, an sich selbst zu erfahren, daß das Bewußtsein nicht sklavisch an die Gene gefesselt ist.

*Der Bostoner Philosoph Daniel Dennett hat prophezeit, daß die Menschen bald nicht mehr Kriege um Territorien, wegen ethnischer oder religiöser Konflikte führen werden, sondern wegen der Bedrohung, welche die Bewußtseinsforschung für das Selbstbild des Menschen bedeutet.

**Während Andrew T. Weil, ein Mediziner der Universität von Arizona und Experte für psychedelische Drogen, betonte, eine vollständige Theorie des Bewußtseins müsse auch die Fähigkeit südamerikanischer Indios erklären, unter Drogeneinfluß gleichartige Halluzinationen zu erleben.


Außergewöhnliche
Bewußtseinszustände (ABZ)

Der psychedelische Trip wurde von Aldous Huxley in die drei Kategorien Himmel, Hölle und Visionen eingeteilt. Für die moderne Bewußtseinsforschung unterteilten Ines Bodmer, Adolf Dittrich und Daniel Lamparter außergewöhnliche Bewußtseinszustände anhand von 72 in einem Fragebogen aufgelisteten Kriterien in drei Grunddimensionen. In Verbindung mit bestimmten Prädiktoren wurde so ein Konzept entwickelt, das Vorhersagen zu der Färbung eines ABZ erlaubt, gleichwohl ob diese durch Hypnose, Meditation oder psychoaktive Substanzen ausgelöst werden. Es handelt sich dabei eher um ein akademisches Modell, das einen ständigen Abgleich mit der psychedelischen Praxis bedarf.

Die ozeanische Selbstentgrenzung
beschreibt den angenehm, beglückenden Aspekt eines ABZ: Empfindung von grenzenloser Freude, einem tiefen inneren Frieden und einer allumfassenden Liebe.
  • Erfahrungen des Einsseins mit sich und der Welt
  • Befreiung von den Beschränkungen von Raum und Zeit
  • Ahnung einer höheren Wirklichkeit
  • Mystisches und spirituelles Erleben
Die angstvolle Ich-Auflösung ("bad trip")
Diese Dimension beschreibt den durch Angst dominierten Aspekt eines ABZ: Angst die durch den Verlust von Fähigkeiten des normalen Wachbewußtsein wie Selbstkontrolle, Urteilsfähigkeit und Realitätskontrolle ausgelöst wird.
  • Gefühl des Bedroht- und Gequältseins
  • Gefühl, eine fremdgesteuerte Marionette zu sein
  • Angst, aus diesem Zustand nicht mehr herauszukommen
  • Verzerrte und verfremdete Wahrnehmung der Umgebung
Die ozeanische Selbstentgrenzung und die angstvolle Ich-Auflösung stehen nur im scheinbaren Gegensatz. Tatsächlich treten glücksvolle Erfahrungen gleichzeitig oder abwechselnd mit angsteinflößenden auf.
Die visionäre Umstrukturierung
Ist der komplexeste Aspekt des ABZ und beinhaltet sowohl Wahrnehmungs- als auch Bedeutungsumstrukturierungen.
  • Illusionen: Bilder, die der real existierenden Umwelt entlehnt sind, werden uminterpretiert.
  • Synästhesien: Überlagerungen der Sinne, z.B. werden Töne in bestimmten Farben gesehen und umgekehrt
  • Pseudohalluzinationen: Das Sehen von Dingen bzw. Szenerien die in der realen Umgebung nicht existent sind, wobei man dieses Phänomen sofort als eigentlich irreal erkennt und bewertet.
  • Echte Halluzinationen: Sehen und Hören von Dingen die real nicht existent sind, ohne das man sich dessen unmittelbar bewußt ist (typisch für psychotisches Erleben und/oder das Alkoholentzugsdelir, nicht aber für den LSD-Rausch)
  • Dehabituation: Dinge aus der vertrauten Umgebung bekommen eine völlig neuartige Bedeutung
  • Überaus deutliche Erinnerung an bestimmte Ereignisse
  • Äußerst lebhafte Phantasie, gesteigerte Kreativität und Assoziationsvermögen
Faktoren (Prädiktoren) die ein ABZ beeinflussen

Die gebrauchte Substanz

Diese Kriterien wurden nach Einnahme der psychotropen Substanzen LSD und MDMA (Ecstasy) bei 37 Versuchspersonen abgefragt: LSD rief durchschnittlich 8% weniger ozeanische Selbstentgrenzung , 10 % mehr angstvolle Ich-Auflösung und 31 % mehr visionäre Umstrukturierung hervor als MDMA

Persönlichkeit

Die Färbung des ABZ durch die einzelnen Grunddimensionen hängt aber auch von der Persönlichkeit der betroffenen Person ab. Um die individuelle Reaktion bezüglich der drei Grunddimensionen vorauszusagen, wurden Persönlichkeitsprofile, die mit der besonderen Ausprägung einer Dimension einhergehen, ermittelt:
Zu ABZ mit ausgeprägter ozeanischer Selbstentgrenzung neigen Menschen, die sich und andere akzeptieren, so wie sie sind, auf ihr eigenes Wohl bedacht sind, aber auch Bedürfnisse anderer anerkennen, dem Zwang zur Konformität widerstehen und sich mit der Realität gut auseinandersetzen können. Die Angst in ABZ steht im Zusammenhang damit, daß durch das völlig fremdartige Erleben das ganze innere Bezugssystem, auf welche sich die Selbst- und Welterfahrung gründet, seine Gültigkeit verlieren kann. Dazu kann eine Überflutung von Inhalten aus dem Unterbewußten kommen.
Zur angstvollen Ich-Auflösung neigen demnach Personen, die sich bei verändernden Bedingungen nur unzureichend von einmal eingeschlagenen Denk- und Handlungswegen lösen können, um andere, angemessenere zu wählen.
Bei Menschen, die im normalen Wachbewußtsein über ein großes natürliches Vorstellungsvermögen verfügen, ist der ABZ im besonderem Maße durch visionäre Umstrukturierung geprägt, verbunden mit dem Auftreten von intensiven optisch-pseudohalluzinatorischen Phänomenen.

Set: Vorerfahrungen, Erwartungshaltung, Grundbefindlichkeit und aktuelle Stimmung

Vorerfahrungen mit ABZ begünstigen das Erleben von ozeanischer Selbstentgrenzung und verringern das Auftreten von angstvollen Ich-Auflösung. Die Erwartungshaltung wird in der Regel im Erleben eines ABZ bestätigt. Die Untersuchung von 15 Personen, die nach LSD-Konsum psychiatrisch hospitalisiert worden waren, ergab, daß sich alle in einer Art Lebenskrise befunden haben. Dies weist darauf hin, daß nicht nur die Stimmung unmittelbar vor einem ABZ einen Einfluß auf dessen Qualität hat, sondern auch die vorherrschende Befindlichkeit während der Tage bis Wochen davor.

Setting

Die Wichtigkeit des Settings, also der äußeren Bedingungen, unter denen ein ABZ erlebt wird, wird zwar immer wieder betont. Timothy Leary fand einen Zusammenhang zwischen positiv empfundenem Setting und positiv erlebter Psychedelika-Wirkung. Außerdem wurde ein positiver Zusammenhang zwischen Gruppengröße und Gefühl der Gruppeneinheit, dagegen ein negativer Zusammenhang mit dem Auftreten von halluzinatorischen Phänomenen beschrieben.

LSD in der Psychotherapie

In den 56 Jahren, die seit der Entdeckung der LSD-Wirkung vergangen sind, hat die internationale Forschungsgemeinschaft eine wahre Flut von Untersuchungen über die psychologischen Wirkungen und die möglichen therapeutischen Anwendungen dieser Substanz hervorgebracht. Die Gesamtheit der wissenschaftlichen Literatur ist dementsprechend umfangreich und steckt voller widersprüchlicher Behauptungen. In diese Unübersichtlichkeit läßt sich eine gewisse Ordnung bringen, wenn man die Geschichte und Entwicklung dreier großer wissenschaftlicher Ansätze betrachtet, mit denen versucht wird, die Wirkungen und das therapeutische Potential von LSD zu erfassen.

Der psychotomimetische Ansatz

besagt, daß LSD einen geistigen Zustand hervorrufen, der einer Psychose ähnelt. Psychotomimetisch bedeutet "eine Psychose nachahmend". Diese Wirkung kann zur Erzeugung einer unter Laborbedingungen entstehenden "Modellpsychose" dienen. Das psychotomimetische Paradigma wurde zum Ausgangspunkt der Forschung in den frühen fünfziger Jahren und beeinflußte die Ausrichtung, Gestaltung und die Ergebnisinterpretationen der Experimente. Trotz zahlreicher Widersprüche hält sich diese Theorie hartnäckig, wahrscheinlich weil bestimmte Wissenschaftler es sich nicht gestatten, die gewohnten Bahnen ihres Denkens zu verlassen. Auch heute noch definieren viele Vertreter der klassischen Psychiatrie jegliches Rauscherleben als eine Art von Psychose.

Der psycholytische Ansatz,

demzufolge die Substanzwirkungen die dynamische Beziehung zwischen den bewußten und den unterbewußten Teilen der Persönlichkeit verändern. Psycholytisch bedeutet "den Geist auflösend". Dieser veränderte Bewußtseinszustand kann für eine psychoanalytisch ausgerichtete Psychotherapie von Nutzen sein. Das psycholytische Paradigma der "drogengestützten Therapie" erwuchs ganz allmählich aus der psychotomi-metischen Richtung. Zunächst wollte man ähnlich wie bei der Elektroschock- oder Insulinschock-Therapie ein toxisches Delirium hervorrufen, um in diesem Zustand verdrängte Bestandteile von Konflikten zu verbalisieren. Man stellte aber bald fest, daß sich die meisten Patienten ganz klar an das erinnern konnten, was sie unter der LSD-Wirkung erlebt hatten. Diese unbeeinträchtigte Erinnerung an die Erlebnisse im außergewöhnlichen Bewußtseinszustand war für die therapeutische Integration neuer Einsichten im normalen Wachzustand sogar von entscheidender Bedeutung und ist für ein Delirium überhaupt nicht typisch. Man wurde sich bewußt, daß das psychotomimetische Paradigma einen Versuch darstellt, die Wirkung einer völlig neuen Wirkstoffklasse überholten Rahmenbedingungen anzupassen.
Psycholytische Therapieformen fanden in Europa gegen Ende der fünfziger Jahre beträchtliche Verbreitung und seit den frühen Sechzigern auch unter den Therapeuten in den USA ihre Anhänger. Der psycholytische Ansatz beinhaltet die wiederholte Verwendung niedriger Dosierungen psychedelischer Substanzen (z.B. 30-60 Mikrogramm LSD) im Rahmen einer psychoanalytisch ausgerichteten Psychotherapie. Die Sitzungen erstrecken sich üblicherweise über einen Zeitraum von sechs Monaten bis zwei Jahren. Der Prozeß umfaßt eine Tiefenanalyse der Drogenerfahrungen während und nach den Drogensitzungen. Ziel ist es dabei, psychodynamisch relevantes Material einschließlich verdrängter Kindheitserinnerungen aufzudecken. Dabei ging man davon aus, daß psychedelische Substanzen eine Übertragung erleichtern und gleichzeitig die Einsicht der Patienten in ihre Übertragung auf den Therapeuten verstärken.
Typische Indikationen sind Angst- und Zwangsneurosen, neurotische und reaktive Depressionen. Auch konnten vordem als therapieresistent erachtete Patientengruppen mit gutem Erfolg psychotherapeutisch behandelt werden. Kontraindikationen stellen dagegen hysterforme Neurosen, Psychosen, Borderlinefälle sowie konstitutionell infantile und ich-schwache Personen dar.

Der psychedelische Ansatz

sieht diese Substanzen als Mittel zur Erleichterung mystischer Erfahrungen und Gipfelerlebnisse, vorausgesetzt man nimmt sie in der richtigen (hohen) Dosierung und in einem passenden Setting zu sich. Psychedelisch bedeutet "die Seele offenbarend". Man sieht in diesen Erfahrungen das Potential zu tiefgreifenden, anhaltenden und positiven Persönlichkeitsveränderungen. Dieser Ansatz konzentriert sich auf den Höhepunkt einer Drogenerfahrung oder ein mystisches Drogenerlebnis, das an sich schon als potentiell heilkräftig gilt. Von diesem Phänomen nimmt man an, daß es auch im Schamanismus naturnah lebender Völker heilend genutzt wird.
Eine Psychotherapie soll, wenn sie mit dieser Erfahrung verbunden ist, diese vorbereiten und leichter machen. Das ist etwas ganz anderes als das psycholytische Paradigma einer drogengestützten Therapie, bei dem der Schwerpunkt auf dem therapeutischen Prozeß liegt, der durch die Substanzwirkung erleichtert werden soll. In einem psychedelischen Setting richtet man alles auf das Hervorrufen einer mystischen und religiösen Erfahrung aus. Es werden hohe Dosierungen (zwischen 250 und 850 Mikrogramm LSD) verwendet, um mächtige, überwältigende Bewußtseinsveränderungen zu fördern und die Klienten in transpersonale und kollektive Dimensionen des Bewußtseins hineinzuführen. Die äußere Umgebung wird entsprechend vorbereitet: Sie ist ästhetisch angenehm; man spielt meist sorgfältig ausgewählte Musik. Der psychedelische Ansatz hat sich am meisten bei der Auseinandersetzung mit Sterben und Tod bewährt, wie z. B. bei Krebs- und AIDS- Patienten. Bei der Behandlung von Neurotikern und Patienten mit anderen Persönlichkeitsstörungen hat sich jedoch gezeigt, daß mehrere drogengestützte Sitzungen und eine psychotherapeutische Einbettung unverzichtbar sind.
Unabhängig welcher psychologischer Ausrichtung man folgt, zeigen die hier aufgeführten Beispiele, daß LSD ein beachtliches therapeutisches Potential besitzen muß. Weitere Forschung, ausgerichtet an neusten psychologischen Erkentnissen und Ergebnissen aus der Bewußtseinsforschung, ist notwendig.

Die rechtliche Situation

Lysergid (LSD) ist gesetzlich als sog. "nicht verkehrsfähiges" Betäubungsmittel klassifiziert und der Anlage I des Betäubungsmittelgesetzes (BtMG) unterstellt. LSD ist damit in der rechtlichen Bewertung z.B. dem Heroin gleichgestellt. Zwar steht nach den gesetzlichen Bestimmungen der Drogenkonsum als solcher nicht unter Strafe, da nach der Logik des Gesetzgebers sich jeder selbst schädigen darf. Sämtliche konsumbezogene und konsumvorbereitende Handlungen, wie etwa der Erwerb und Besitz, das Herstellen und Abgeben und dementsprechend auch das Handeltreiben werden nach dem BtMG aber mit Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren geahndet.
Damit genügt es, daß jemand mit einer bestimmten LSD-Menge angetroffen wird und eine eindeutige Zuordnung zur Person den Umständen nach möglich ist. Im Anschluß an die polizeilichen Ermittlungen kann die Staatsanwaltschaft Anklage wegen Verstoßes gegen das BtMG erheben. Das Gericht entscheidet dann darüber, ob eine strafgerichtliche Hauptverhandlung eröffnet oder das Verfahren eingestellt wird. Eine Einstellung des Verfahrens kommt im Vorfeld durch die Staatsanwaltschaft oder nach Anklageerhebung durch richterliche Entscheidung auch bei Ersttätern nur in Betracht, wenn kein öffentliches Interesse an der Strafverfolgung besteht. Hierzu kommt es auf die Umstände des Einzelfalls an. Ist die mitgeführte LSD-Menge offensichtlich zum Eigenkonsum bestimmt und handelt es sich um eine geringe Menge, dann kann eine Verfahrenseinstellung wegen geringer Schuld und mangeldem öffentlichen Interesse schon vom Staatsanwalt vorgenommen werden. Dies setzt voraus, daß der Beschuldigte keine gesellschaftliche Position mit Vorbildcharakter (z.B. Lehrer u.ä.) hat, die ein öffentliches Strafverfolgungsinteresse begründen könnte. Eine geringe Menge im Sinne der Vorschriften zur Verfahrenseinstellung liegt bei etwa einem Zehntel des des von den Gerichten definierten Wertes zur sog. "nicht geringen Menge". Bei LSD liegt dieser Wert nach der Definition des Bundesgerichtshof bei 6 mg. Dementsprechend werden Konsumeinheiten von bis zu einem halben mg als geringe Menge zu einer Verfahrenseinstellung führen können. Das Gericht kann die Verfahrenseinstellung mit der Auflage zur Zahlung eines Geldbetrages für gemeinnützige Zwecke verbinden.
Angesichts der ca. 8 bis 12 Stunden anhaltenden psychotropen Wirkung des LSD ergeben sich bestimmte Rechtspflichten hinsichtlich der Straßenverkehrsteilnahme. Die LSD-Einnahme wird innerhalb der Wirkdauer bei den meisten Konsumenten zur Fahruntüchtigkeit führen. Eine Teilnahme am Straßenverkehr in fahruntüchtigem Zustand wird, auch wenn sie fahrlässig begangen wird, nach dem Strafgesetzbuch mit Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr bestraft. Rechtlich folgenlos bleibt die Fahrt unter LSD-Einfluß nur dann, wenn der Fahrer fahrtüchtig und unauffällig am Straßenverkehr teilnimmt. Anders als bei anderen Substanzen (z.B. Cannabis, Speed oder Ecstasy), bei deren Nachweis im Blut auch fahrtüchtiges Verhalten nach dem neugefaßten Straßenverkehrsgesetz als Ordnungswidrigkeit (bis zu 3000 DM Geldbuße) angesehen wird, ist LSD (noch) nicht in der Liste der "berauschenden Mittel" ausdrücklich aufgeführt. Ungeachtet dessen erscheint aufgrund der Möglichkeit, nach einer LSD-Fahrt zur Fahrtüchtigkeit begutachtet zu werden, das Risiko einer Verurteilung nach den Vorschriften des Strafgesetzbuches relativ hoch.

Drogenpolitische Forderungen

Als eine notwendige Sofortmaßnahme sieht das GAJB das sog. Drugchecking, welches eine Substanzüberprüfung für den Konsumenten über öffentlich zugängliche Stellen (z.B. Apotheken) ermöglicht. Durch diese Maßnahme kann der User vor einer Überdosierung und vor möglichen Verunreinigungen geschützt werden. Um den konsequenten Konsumentenschutz zu gewährleisten fordert das GAJB die Abgabe von qualitativ hochwertigen LSD-Produkten und anderen Drogen durch qualifiziertes Personal in speziellen Drogenfachgeschäften an Personen ab 16 Jahre. Lediglich bei Heroin und Kokain soll die Abgabe auf ärztliches Rezept erfolgen. In einem Drogenfachunterricht an den Schulen soll sachlich über positive und negative Wirkungen von Drogen aufgeklärt werden. Vergleichbare Angebote muß es auch im Bereich der Erwachsenenbildung geben, z.B. an Volkshochschulen. Werbung für Drogen sollte verboten werden, da diese keinen aufklärerischen, sondern einen verführerischen Charakter hat. Außerdem setzt sich das GAJB für den Auf- und Ausbau von europäischen Selbsthilfenetzwerken mit u.a. kulturellem Charakter ein, um einer Gettoisierung der Konsumenten durch die nationalen Drogenhilfeeinrichtungen zu begegnen. (http://www.netpool.org/socart/Technonetz/t2r.htm)

 

Safer Use Regeln

 

Ein risikofreier Gebrauch von Drogen ist niemals möglich. Wer auf den Konsum von LSD nicht verzichten möchte, sollte aber zumindest folgende Minimalregeln beachten:

Nehme niemals LSD, wenn Du seelisch oder körperlich schlecht drauf bist (ungünstiges set).
Autofahrer, Schwangere und stillende Mütter sollten kein LSD einnehmen.
Während der LSD-Wirkung ist es wichtig, daß Du Dich in einer Dir angenehmen Atmosphäre aufhältst und zu den Dich umgebenden Menschen ein harmonisches Verhältnis hast (gutes setting).
Die Art der Wirkung und die Wirkdauer sind bei Halluzinogenen selbstverständlich auch von der Dosierung abhängig. Um Dich bei unbekannten Drogen (als unerfahrener User) vor bösen Überraschungen wenigstens in einem gewissen Maß zu schützen, nehme nicht mehr als einen Viertel Trip ein.
Wenn sich eine Stunde nach der LSD-Einnahme immer noch keine Wirkung einstellt, nicht gleich weitere Trips nachwerfen; bei vollem Magen etc. kann sich das Einsetzen der Wirkung bis zu zwei Stunden verzögern.
Der Mischkonsum mit anderen Drogen sollte nie ohne eingehende Erfahrungen mit den einzelnen Substanzen erfolgen.
Bei Panikanfällen/"Horrortrips" muß der Betroffene zunächst schnell in eine ruhige Umgebung (z.B. frische Luft) gebracht werden. Körperkontakt halten und versuchen durch gutes und gezieltes Zureden den "Gestrandeten" auf bessere Gedanken zu führen. Sollte auch dies nichts nützen, scheue Dich nicht, einen Arzt zu rufen und kläre ihn über den Drogenkonsum auf - denn nur ein Arzt darf ggf. entsprechende Medikamente (z.B. Valium, Neuroleptika) verabreichen. Der Arzt ist übrigens an seine Schweigepflicht gebunden.
Besonders beeindruckende Sequenzen solltest Du dann nüchtern vor Deinem Inneren Auge noch einmal ablaufen lassen. Mach Dir diese wieder bewußt, wenn Du im normalen Wachzustand ähnliche Situationen durchlebst.
LSD-Reisen sollten darum Ausnahmeerlebnisse bleiben. Laß Dir zur Erholung mindestens einen arbeitsfreien Tag Zeit.
Hinweis: Der Abdruck dieser "Sicherheitsregeln" sollte nicht als
Aufforderung mißverstanden werden, LSD zu konsumieren.

 

Impressum

Das Fachforum Drogen ist ein bundesweiter Arbeitskreis des Grün-Alternativen Jugendbündnisses (GAJB). Die MitgliederInnen des Fachforums sind junge DrogenpolitikerInnen von den Grünen, Experten aus Drogenselbstorganisationen (wie z.B. Eve & Rave) oder einfach interessierte Menschen aus dem GAJB. Eine Mitgliedschaft im GAJB ist für die Mitarbeit erforderlich. Das Fachforum erarbeitete im Herbst ‘97 ein umfassendes Drogenpolitisches Grundsatzprogramm (ISBN 3-930442-41-8) und versucht auf dieser Grundlage Einfluss auf die Drogenpolitik der Bundesregierung und auf die Politik von Bündnis 90/Die Grünen zu nehmen. Wer Lust hat im Fachforum Drogen mitzuarbeiten meldet sich einfach bei den SprecherInnen:

Silke Kolwitz, Tel. 030-28301010 email:mailto:silke@snafu.de
Christian Schlicht, Tel. 06301-32458 email:christian.schlicht@gmx.net

Zu den Autoren:
Tibor Harrach ist wissenschaftlich arbeitender Pharmazeuth, Mitarbeiter bei Eve & Rave und Mitglied der LAG Drogen von Bündnis 90/Die Grünen Berlin, Tel. 030-4486759
Doren Howitt ist Psychologin und Mitglied der LAG Drogen von Bündnis 90/Die Grünen Berlin
Silke Kolwitz ist Mitglied der LAG Drogen von Bündnis 90/Die Grünen Berlin und Sprecherin des Fachforum Drogen des GAJB
Peter Lintlahr ist Jurist und Referent für Rechtsangelegenheiten beim Drogenbeauftragten des Hamburger Senats
Layout & Artwork: Stephan Kopschinski, Tel. 0177-7878384
Diese Broschüre wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.

 

Herausgeber und Bestelladresse:

Bundesgeschäftsstelle des GAJB, Kasseler Str. 1a, 60486 Frankfurt a. M. 069-970774664 (Über eine Spende würden wir uns sehr freuen, da dies das Erscheinen weiterer Publikationen ermöglichen würde. Bankverbindung: Ökobank Frankfurt BLZ 500 901 00 Kto.-Nr. 6100082 Kennwort: LSD-Broschüre)


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