Bundesministerium für Inneres (Österreich)
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DROGEN
ÖFFENTLICHE SICHERHEIT
Das Magazin des Innenministeriums
Nr. 12/1999 Dezember 1999



Drogenhanf und Zauberpilze


Wirkstoffhaltige Hanfprodukte und "narrische Schwammerl" sind bei Drogenkonsumenten in der Schweiz und in Österreich im Trend.


Seife, Wäsche und andere Produkte werden aus Industriehanf erzeugt. Legal dürfen in der Europäischen Union nur THC-arme Hanfsorten angebaut werden. In Schweizer Hanfläden werden auch Produkte aus Drogenhanf (Cannabis) angeboten etwa Duftsäckchen, die Marihuana mit einem THC-Wert von 3 bis 12 Prozent enthalten. Ein Duftsäckchen mit 6 bis 8 Gramm Marihuana kostet etwa 100 Franken. Gepresstes Marihuana, mit Haschischöl angereichert, wird in Form von "Hanftalern" angeboten. Die Taler haben einen Durchmesser von cirka 3 cm, sind 1/2 cm hoch und kosten 50 Franken pro Stück. Die Hanfläden führen auch Haschischtee aus Hanfblättern und Blüten sowie Haschischöl, das aus Harz gewonnen wird und bis zu 30 Prozent THC enthalten kann.
Die Polizei schätzt, dass 1998 in der Schweiz über 1.000 Tonnen Hanf (Trockenmasse) geerntet und daraus über 100 Tonnen Betäubungsmittel (Haschisch und Marihuana) hergestellt worden sind. Die Schweizer Behörden beschlagnahmten 1998 14,9 Tonnen Cannabis, doppelt so viel als 1997 (7,2 Tonnen). Auch nach Österreich wird Schweizer Hanf exportiert. Vorarlberger Suchtgiftfahnder beschlagnahmten von Jänner bis April 1999 8,5 kg Cannabis. Das ist so viel wie die gesamte sichergestellte Menge im Vorjahr.

Cannabis ist nach wie vor die gebräuchlichste illegale Droge. Hanf wächst auf allen Kontinenten. Die Vereinten Nationen schätzen die weltweite Anbaufläche auf 1.800.000 Hektar mit einer geschätzten Produktion von 20.000 bis 30.000 Tonnen pro Jahr.
Rund 800 Tonnen Cannabis wurden 1998 in der Europäischen Union sichergestellt, 20-mal mehr als Heroin und Kokain zusammen. Nach Schätzungen von Europol werden höchstens zehn Prozent der illegalen Drogen beschlagnahmt. Demnach sind in den EU-Mitgliedstaaten jedes Jahr rund 8.000 Tonnen Cannabis auf dem Markt.
Hauptursprungsland für das in Europa sichergestellte Haschisch ist Marokko. Größere Mengen kommen auch aus Afghanistan und Pakistan. Marihuana kommt hauptsächlich aus Kolumbien, Jamaika, Süd-Afrika und Nigeria in die Europäische Union. Auf dem afrikanischen Kontinent ist Südafrika der größte Cannabis-Produzent. In Albanien werden bedeutende Mengen Cannabis angebaut.
Die mittel- und osteuropäischen Staaten spielen eine wichtige Rolle beim Schmuggel der Droge in die EU. So stellte die Polizei im Hafen von Odessa sechs Tonnen Marihuana aus Nigeria sicher.

In-Door-Produktion. Cannabis wird vermehrt zu Hause angebaut, auf dem Balkon, im Garten oder unter künstlicher Beleuchtung im Keller. Mit aufwendigen Beleuchtungs- und Bewässerungsanlagen wird versucht, THC-reiche Hanfpflanzen zu ziehen. Vor allem in den Niederlanden wird Cannabis in großen Stil angebaut. Bei Cannabis aus den Gewächshäusern wurde ein THC-Gehalt von bis zu 35 Prozent festgestellt.
In Großbritannien hat sich der Anbau nach Erkenntnissen von Europol seit 1995 verachtfacht.

Die in Medien geäußerte Vermutung, Hanfpflanzen seien durch Gen-Manipulation hochwirksam geworden, bestätigen Experten nicht. Das deutsche Bundeskriminalamt (BKA) in Wiesbaden hat keine Informationen darüber. Der hohe THC-Gehalt könne laut BKA durch Ausnützung der wissenschaftlichen Erkenntnisse über die Cannabis-Züchtung erzielt werden. Auch Dr. Robert Hirz von der kriminaltechnischen Zentralstelle des Bundesministeriums für Inneres in Wien bestätigt, dass Hanf mit hohem THC-Gehalt durch Züchtung erreicht werde.
Den Züchtern wird es leicht gemacht: Über Internet und – in den Niederlanden frei käufliche – Broschüren werden Informationen über optimale Kultivierungsbedingungen verbreitet.

Magic Mushrooms. Drogenfahnder stoßen in Österreich seit einem Jahr vermehrt auf psychotrope Pilze. Der braune Pilz Psilocybin, dessen Genuss eine ähnliche Wirkung wie LSD hervorruft, wird häufig im Umfeld von Marihuana konsumiert.
Von den Urvölkern Südamerikas wurden psychotrope Pilze als "Fleisch der Götter" zu spirituellen Zeremonien verwendet. Seit den 70er Jahren lernten immer mehr Europäer die "Magic Mushrooms" bei Fernreisen kennen – etwa in Südostmexiko, Südindien, Nepal, Thailand, Sumatra und auf den Philippinen. Diese Pilze, im Szenejargon "Psilos" genannt, werden seit etwa zehn Jahren auch zu Hause im Keller oder Garten kultiviert. In den USA und Holland entstanden regelrechte Pilzfarmen.

Beamte des Gendarmeriepostens Angern an der March (Niederösterreich) entdeckten im Mai in einem Gewächshaus eine Kultur "narrischer Schwammerln". Auch die Schweiz ist Umschlagplatz für Drogenpilze. Im Kanton St. Gallen wurden bei behördlichen Kontrollen im Jahr 1998 in etwa jedem dritten Hanfladen auch psychotrope Pilze oder Pflanzen gefunden. Die Ladenbesitzer gaben an, nicht zu wissen, wozu diese Pilze gut seien und wie sie angewendet würden. Die Preise schwanken zwischen 20 und 100 Franken für ein bis acht Gramm. Über die gleichen Kanäle werden auch mescalinhältige Kakteen vertrieben.

Die Drogenpilze sind gefährlich. "Selbst bei geringer Dosis können psychisch labile Menschen auf einen Horrortrip geraten und dabei die Schwelle zu bleibendem Wahn, zur Psychose überschreiten", berichtete das deutsche Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". In Hamburg stürzte sich ein junger Mann im Pilzrausch aus einem Hochhausfenster. In letzter Zeit zeichnet sich ein Trend zu halluzinogenen Pilzen in der Techno-Szene ab.

Siegbert Lattacher


Cannabis

Marihuana wird aus den getrockneten Blättern, Blüten und Stängeln des Hanfs gewonnen; Haschisch ("Shit") aus dem Harz der Drüsenhaare. Haschisch und Marihuana werden mit Tabak vermischt geraucht (Joint), aber auch als Tee konsumiert. Der Rausch wird als entspannter, euphorischer Zustand beschrieben, der die Aufmerksamkeit, das Denken und das Zeitgefühl ändert.
Der berauschende Wirkstoff der Cannabispflanze ist das Delta 9-Tetrahydrocannabinol (THC). Pflanzen mit einem THC-Wert über 0,5 Prozent fallen unter das Suchtmittelgesetz.

"Magic-Mushrooms"

Der bekannteste psilocybinhaltige Pilz Europas ist der "Spitzkegelige Kahlkopf". Er gehört zur Gattung der "Psilocybe" (Kahlköpfe) und wächst vor allem auf gedüngten Wiesen. Die psychoaktiven Inhaltsstoffe sind Psilocin und Psilocybin. Die "Psilos" werden getrocknet entweder gegessen, geschnupft oder geraucht. Sie rufen eine ähnlich halluzinogene Wirkung hervor wie LSD. Die Überdosis führt zu Vergiftungserscheinungen. Wirksame Dosen beginnen bei drei bis sechs Gramm der Reinsubstanz.

 

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