Psychedelika

"Zauberpilze"

von Jürgen C. Harf

 

* Diese neue Rubrik soll in erster Linie informieren und aufklären. *


Was sind überhaupt Psychedelika und was bewirken sie?
Wie
gefährlich sind sie und was stimmt von dem, was man hin und wieder in der Presse liest und/oder von FreundenInnen hört? Gerade im Bereich der Psychedelika wurde durch die weltweite Politik und die allgemeine Unwissenheit nicht nur wissenschaftliche Forschung auf diesem Gebiet unterdrückt, sondern auch eine Unzahl von Lügen verbreitet. Wir möchten ein wenig Licht ins Dunkel bringen.


Allgemeine Einleitung.

Bevor wir uns den "Zauberpilzen" zuwenden wollen, sollte vielleicht zunächst kurz skizziert werden, was ein Psychedelikum überhaupt ist und woher der Name stammt. Ein Psychedelikum ist eine psychoaktive Substanz, welche auf der Ebene des Bewußtseins Veränderungen hervorzurufen vermag. Dies kann im glücklichsten Fall klassisches mystisches Erleben bedeuten. Meist treten unter dem Einfluß dieser Stoffe Veränderungen der optischen Wahrnehmung und ein "Zusammenfließen" der verschiedenen Sinne auf. Charakteristisch ist zudem eine subtile Veränderung der Ich-Struktur. Ein Psychedelikum ist nur potentiell in dieser Weise wirksam - nicht zwingend. Das wird oft verkannt. Sehr viele Faktoren bestimmen, ob ein Psychedelikum auch psychedelisch wirksam werden kann, denn psychedelisch meint insbesondere die mystischen Erfahrungen. Der englische Psychiater H. Osmond und der bekannte Philosoph Aldous Huxley waren es, welche das Wort "psychedelisch" erfanden. Sie waren die ersten Menschen der "alten Welt", die erkannten, daß diese, bis dahin psychotomimetisch (Psychose nachahmend) genannten Substanzen eben keine künstlichen Psychosen bewirken, sondern zu Bewußtseinszuständen führen, die auch meditativ erreichbar sein können. "Psychedelisch" wurde von ihnen aus den Wörtern "psyche" (Seele, Geist) und "delos" (hervorbringend) abgeleitet. Die meisten Psychedelika kommen in bestimmten Pflanzen und Pilzen, aber auch in Tieren (Bufotenin) vor und sind somit natürlichen Ursprungs. Selbstverständlich kann der organische Chemiker mit mehr oder weniger großem Aufwand alle diese Stoffe im Labor nachmachen und auch abändern. Der bedeutenste Chemiker dieser Disziplin war Alexander Shulgin, welcher eine Vielzahl an neuen Verbindungen herstellte und meist im Selbstversuch auf eine etwaige Wirkung untersuchte. Einige dieser psychoaktiven Substanzen hat er als der einzige Mensch probiert. Schließlich sollte in dieser kurzen Einführung noch der schweizer Naturstoffchemiker Dr. Albert Hofmann (Sandoz), Entdecker des LSD und der "Zauberpilz"-Wirkstoffe, genannt werden.


Zauberpilze.

Gerade in den letzten Jahren berichteten die Presse und das Fernsehen vermehrt über die "Magic Mushrooms", jedoch bekommt man nur selten den Eindruck, fundierte Informationen über die Pilze zu erhalten. Was sind das für Pilze und wo findet man sie? Welche Wirkstoffe sind in ihnen enthalten und wie gefährlich sind sie? Fragen wie diese drängen sich dem Interessierten auf. Wir werden versuchen, im folgenden eine Antwort zu geben. Der etwas schwammige Begriff "Zauberpilz" oder "Magic Mushroom" meint insbesondere solche Pilze, die als Wirkstoffe Psilocybin und Psilocin enthalten. Fliegenpilze, obwohl sie auch psychoaktiv sind, sind nicht als "Zauberpilze" zu bezeichnen. Sie enthalten völlig andere Wirkstoffe (Ibotensäure, Muscimol etc.) und unterscheiden sich daher in ihrer Wirkungsweise von "Psilos". Es sind inzwischen weltweit knapp neunzig Arten psilocybinhaltiger Pilze bekannt geworden, jedoch haben nur einige Spezies wirkliche Bedeutung für den Menschen erlangt. Hierzu gehören insbesondere Stropharia cubensis (Farbfoto) und Psilocybe semilanceata, der auch in unseren Breitengraden heimisch ist.


Geschichte.

Zu Anfang dieses Jahrhunderts wurde man in der "alten Welt" auf die Existenz von Psilocybinpilzen aufmerksam. Zu dieser Zeit war eigentlich nur ein natürliches Psychedelikum, das Meskalin des Peyote-Kaktus, ethnobotanisch (Ethnobotanik: Lehre der kulturellen Verwendung natürlich vorkommender Rauschdrogen) recht gut bekannt. Hingegen hatte man nur unsichere Vermutungen über sogenannte Teonanacatl-Rituale bei mittelamerikanischen Indianern. Teonanacatl bedeutet soviel wie "Fleisch der Götter" und sollte ein Pilz sein. Dieses Wissen basierte auf Berichten des spanischen Klerikers Sahugun im 16. Jahrhundert und des spanischen Kräuterheilkundearztes Hernandez im Jahre 1651. Genaues wußte man jedoch nicht. Im wesentlichen waren es Dr. B.P. Reko, ein in Mexiko tätiger Botaniker und Anthropologe, sowie das Amateurforscherpaar Valentina und Gordon Wasson, welche das Rätsel um den sagenumwobenen Pilzkult lösten. Dr. Reko hielt unbeirrbar an seiner "Pilzthese" fest und das Ehepaar Wasson war es schließlich, welches 1953 auf einer Studienreise im mazatekischen Ort Huautla in Oaxaca den Pilzkult wiederentdeckte. Unter Aufsicht der Schamanin Maria Sabina nahmen sie 1955 an einem Pilzritual teil. Ein Jahr später lud Gordon Wasson den französischen Mykologen Prof. Dr. Roger Heim nach Oaxaca ein, wo er vierzehn neue Pilzarten identifizierte, die bei Indianern schon seit Jahrtausenden rituelle Verwendung finden. Dr. Albert Hofmann, schon damals in Fachkreisen durch das LSD bekannt, wurde 1957 von Heim beauftragt, die aktiven Wirkstoffe in den Pilzen zu finden. Hofmann wurde fündig und benannte sie nach der Familie Psilocybe Psilocybin und Psilocin. Im Jahre 1960 machten Timothy Leary, der LSD später weltweit bekannt machte, und Aldous Huxley ihre ersten Psilocybin-Erfahrungen. Huxley mit synthetischem Psilocybin von Sandoz in Basel.


Verbreitung und Beschreibung.

Psilocybinhaltige Pilzarten sind weltweit verbreitet - es sind also bestimmte Arten auch in Europa heimisch. Allerdings nicht zu jeder Jahreszeit, wenn man von gezüchteten Pilzen absieht. Bei uns findet man insbesondere den Spitzkegeligen Kahlkopf (Psilocybe semilanceata) neben einigen weiteren Arten, die aber geringere Bedeutung haben, da ihr Wirkstoffgehalt stark schwankt und teilweise auch unsicher ist, ob sie überhaupt Wirkstoff enthalten. P. semilanceata zeigt sich hauptsächlich im September und November bevorzugt auf Pferdewiesen. Es ist ein kleiner Pilz mit spitzkegeligem (Name!), beige-braunem Hut von einem halben bis zwei Zentimeter Durchmesser und einer Gesamthöhe von unter 8 Zentimetern. Die Wirkstoffkonzentration ist relativ gleichmäßig und recht hoch. Im Jahre 1976 veröffentlichten die beiden Autoren Oss und Oeric eine Pilzzuchtanleitung, welche für jedermann verständlich geschrieben ist. Sie basiert auf der Zucht von Stropharia cubensis, einem weltweit verbreiteten Pilz, der größer ist als Psilocybe semilanceata und einen ebenso hohen und gleichmäßigen Psilocybingehalt aufweist. Diese Art gehört zu den klassischen mexikanischen Zauberpilzen.


Wirkstoffgehalt und Wirkung.

Psilocybin und Psilocin machen in den Frischpilzen etwa 0,005 Massenprozent und bei getrockneten Exemplaren etwa ein halbes Massenprozent aus. Eine mittlere Psilocybindosis beträgt ca. 10 mg (0,01 Gramm). Dies ist verglichen mit LSD (0,0001 Gramm) recht viel, absolut betrachtet jedoch immer noch sehr wenig. Die Wirkung entspricht ziemlich genau der des LSD, sie dauert allerdings nur etwa die Hälfte der Zeit an und wird im allgemeinen als klarer beschrieben. Dies liegt aber eher an der Tatsache, daß der Pilzwirkstoff nicht, wie oft bei "Underground-LSD" (Pappen, Micros etc.) mit pushenden und teils sehr gefährlichen Stoffen, wie beispielsweise Atropin, verunreinigt ist und man zudem besser dosieren kann, denn illegal gekauftes LSD ist nicht dosiskalkulierbar. Die genaue Wirkung zu beschreiben ist nicht möglich, da sie extrem komplex und intra- wie interindividuell unspezifisch ist. Es hängt sehr stark von der inneren Verfassung und den äußeren Umständen, also dem sogenannten Set und Setting, des jeweiligem Konsumenten ab, wie die Erfahrung wird.

Es sollten niemals Fahrzeuge im Rausch geführt werden - egal ob es sich bei
dem konsumierten Rauschmittel um Alkohol, Cannabis, Extasy, LSD oder
andere Mittel handelte!

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