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Poporo
(70% Gold, 30% Kupfer)
Quimbaya-Kultur, kolumbianische
Anden, ca. 900-1200 n.Chr.

Xochipilli


Man nimmt an, daß Pilze schon seit jahrtausenden als Rauschvermittler bei verschiedensten Anlässen gebraucht wurden. In Mexiko heißen Pilze der Gattung Stropharia cubensis "Fleisch der Götter", da man glaubt, daß in ihnen ein Gott lebt. Im Schamanismus haben Zauberpilze noch heute dort ihren festen Platz. Doch die Geschichte der Pilze geht noch weiter zurück. Vor einigen Jahren wurde in einem Gletscher die ca. 5300 Jahre alte Mumie eines Mannes gefunden, den man nach seinem Fundort Ötztal den Ötzie nannte. Dieser Mann hatte bei seinen Sachen auch eine Schnur mit getrockneten Pilzen (Birkenporlinge), die sich als psychoaktiv herausstellten. Der, an den Untersuchungen beteiligte Wissenschaftler Reinhold Pöder stellte dazu fest, daß ein schamanistischer Gebrauch solcher Pilze denkbar ist, und diese Pilze eben diesem Zwecke dienten.

Alles in allem jedenfalls ist festzustellen, daß psychotrope Pilze schon seit einiger Zeit, vielleicht sogar schon vor der "Menschwerdung" genutzt wurden. Es ist denkbar, daß diese Pilze die Evolution und die Ausbildung der menschlichen Intelligenz wesentlich beeinflussten. Einen dementsprechenden Versuch schlug ein Wissenschaftler namens Dr. Walpur einem Primatenforschungszentrum vor. Er wollte nachweisen, daß sich die mentalen Fähigkeiten von Primaten unter wiederholter Gabe von Psilocybin extrem verstärken können. Er wollte somit ein neues Licht auf die menschliche Entwicklung werfen, welches auch die regional unterschiedlichen Geschwindigkeiten der Evolution beleuchten sollte.

Tassili
Tassili

Mushroom Stone Circle

Der Pilz in der Religion

Kommen wir zur Beziehung von Religion und Pilz, einer Beziehung, wie sie enger nicht sein kann. Hier soll nicht im besonderen über christliche Religion gesprochen werden, die eine Entstehung infolge des Nutzens von Rauschmitteln abstreitet, sondern um Religionen, die weitaus älter sind als das Christentum. In Guatemala wurden Steinskulpturen gefunden, welche Pilzform haben und fast sämtlich ein Bildnis eines Gottes auf dem Stiel besitzen. Diese Steinskulpturen haben ein Alter um 3000 Jahre, sie können somit der frühen Majakultur zugeordnet werden. Es handelt sich dabei um Zeugnisse eines blühenden Pilzkultes, der zum Teil noch heute ausgeübt wird. Dies ist im Wesentlichen also ein Zeugnis einer alten und tiefgehenden Naturreligion, welche sich auf die extremen Trance- und Rauschzustände unter der Einwirkung von psychoaktiven Pilzen stützt. Auch in den keltischen Regionen Groß Britanniens (Wales, Cornwall) ist ein recht starker Pilzkult bekannt, der sich auf das dortige Druidentum bezieht. Um die Sache ein wenig abzukürzen kann gesagt werden, daß jede Kultur und Religion einen Bezug zu psychotropen Pilzen hat. In unserer Kultur kann man dies an der exzessiven Darstellung des Fliegenpilzes (ebenfalls ein psychoaktiver Pilz, jedoch einer der Amanita - Art) als Glücksbringer sehen.
Inwieweit die Entstehung des Christentum von Rauschmitteln abhängig war ist unbekannt, doch kann angenommen werden, daß die Darstellung, wie sie in der Bibel heute zu finden ist, nicht ganz stimmt, wurde dieses Buch doch über Jahrtausende immer nur Handschriftlich und mit den Korrekturen und Ergänzungen des jeweiliegn Schreibers vervielfältigt. Es darf jedoch darauf hingewiesen werden, daß nahezu keine existierende oder untergegangene Religion ohne extatische Rauschzustände, welche in Gruppen erlebt wurde, entstand.

Jesus
Jesus

Mushroom Stone
Pilzstein der Maya
Zeuge der religiösen Bedeutung der Zauberpilze. Guatemala, El Salvador, Mexico, aus der Zeit
zw. 1000 v. und 500 n. Chr.
Höhe 33.5 cm

Pilz Stein
Adam & Eva, Pilze im Christentum.
Ist die Verbotene Frucht ein Pilz?

 

Mushroom Stones

Steinreliefs

Steinrelief mit Pilzen
Steinrelief mit Pilzen
Steinrelief mit Pilzen
Steinrelief mit Pilzen

 

Pilzstein
Pilzstein


Mexikanisches Fresko


Aus dem Aztekischen Kodex

 

Sinu culture
Goldskulptur aus der Sinu Kultur
Kolumbien, 1200-1600

Mesoamerican Mushroom Cults

Die rituelle Verwendung von Zauberpilzen, 'teonanácatl' (=Fleisch der Götter) genannt in der Náhuatl Sprache der Mexica oder Azteken Mittelamerikas, bildete die Basis eines wichtigen religiösen Kultes in der Vorkolumbianischen Neuen Welt.

Das Bestehen eines hoch entwickelten entheogenen Pilzkultes ist mindestens bis 500 v.Chr. belegt durch "Pilzsteine", welche man im Hochland von Guatemala in Maya Kultstätten ausgrub. Freskos aus Zentral-Mexiko, datiert auf das Jahr 300 n.Chr., zeigen die Verehrung von Pilzen. Heilige Pilze sind oft im Mixtekischen Kodex Vindobonensis, dem Aztekischen Magliabechiano Kodex und den Tepantitla Freskos der Teotihuacan anzutreffen.

Der Mittelamerikanische Pilzkult überlebte in den religiösen Riten der Mazateken, Chinanteken, Chatino, Zaptoeken, Mije, und Mixteken von Oaxaca, die Nahoa von Mexico, und möglicherweise Otomi von Puebla und die Tarascana vom Michoacan.

Bei den verwendeten Pilzen handelt es sich unter anderen um folgende Spezien:
Conocybe siligineoides, Panaeolus sphinctrinus, Psilocybe acutissima, P. aztecorum, P. caerulescens, P. caerulipes, P. cordispora, P. cubensis, P. fagicola, P. hoogshagenii, P. isauri, P. mexicana, P. mixaeensis, P. semperviva, P. yungensis, P. zapotecorum.

Mexikanische GötterMexikanische GötterMexikanische GötterMexikanische Götter
Mexikanische Götter

Zauberpilze heute

Wie wird Psilocybin (die psychoaktiven Pilze) nun in unserer Zeit gehandhabt? Der kultische Charakter ist nicht verschwunden, doch er hat sich ins Gegenteil verkehrt. Wurde in den vergangenen Jahrtausenden der Pilz als heiliges Sakrament gehütet, so wird er jetzt verteufelt. Dieses "jetzt" bezieht sich dabei auf die gesammte Zeit des Christentums und seiner Ausbreitungsgebiete. Als die Spanier Mexiko okkupierten versuchten sie schon den dortigen Pilzkult zu unterbinden. In der Gesetzgebung moderner Staaten fällt der Wirkstoff Psilocybin unter Drogengesetze, die seinen Besitz zu einer strafbaren Handlung machen. Vor dem Verzehr der entsprechenden Pilze wird gewarnt, sie werden als hochgiftig bezeichnet oder in den Pilzbüchern nicht erwähnt, wobei nie der Hinweis fehlt, daß man keine Pilze sammeln soll, die man nicht kennt. Auf die Unvollständigkiet der Bücher wird natürlich nicht hingewiesen. Die Presse greift das Thema Pilz mit einer erstaunlichen Periodizität auf, wobei fast nie eine sachliche Darstellung zu finden ist. Sogar so rennomierte Zeitschriften wie "Der Spiegel" hauen bei diesem Thema voll daneben (letztes Quartal 1996). Es wird im wesentlichen eine systematische Panikmache in der Bevölkerung ausgelöst, die mit dazu beitragen kann, daß ein Pilztrip eben doch zu einem unangenehmen Erlebnis werden kann, da das Setting durch die starke Öffentliche Verunsicherung denkbar schlecht ist.

Der Pilz in der Kunst

Doch zum letzten Punkt, dem Pilz in der Kunst.
In der Kunst kann man sehr viele Andeutungen und Hinweise auf psychoaktive Pilze erkennen, am deutlichsten und bekanntesten ist da vielleicht "Alice im Wunderland" (Lewis Carroll). Nach dem Genuß eines Pilzstückchens wird Alice sehr klein, sie ist so groß wie ein Insekt und hat dabei ein sehr interessantes Gespräch mit einer Raupe, die auf einem Pilz sitzt und dort Wasserpfeife raucht (was wird die Raupe da wohl rauchen?). Um wieder die richtige Größe zu erlangen muß Alice wieder von dem Pilz kosten. Auch die deutschen Märchen sparen nicht mit Pilzen, und die Illustrationen dazu kann man sich ebenso nicht ohne Pilze vorstellen. Selbst die englischen "Schlümpfe" leben in pilzähnlichen Behausungen. Alles in allem haben diese kleinen "Stummen Männlein", die allein ganz still und stumm auf einem Beine im Wald stehen einen festen Platz in unserer Vorstellungswelt und den Mythen, Sagen und Märchen unserer Kultur.

Alice & Caterpillar
Alice und die Raupe



disc

Der Pilz im Laufe der Zeit

Der Pilz - Chronik
Eine Chronik der Zauberpilze


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Ötzi's Last Journey

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